Kannst du deine Fruchtbarkeit als Frau mit deinem Lebensstil länger erhalten?
Der Lebensstil kann deine Fruchtbarkeit beeinflussen, aber die Genetik bestimmt größtenteils, wann du in die Wechseljahre kommst. Vermeide regelmäßiges Rauschtrinken, reduziere die Belastung durch Luftverschmutzung und hormonaktive Substanzen, und ziehe Folsäurepräparate bis 800 mcg täglich in Betracht, wenn du deine Fruchtbarkeit schützen möchtest.
Die Genetik ist der stärkste Faktor dafür, wann du in die Wechseljahre kommst und wie viele Eizellen du noch hast. Wenn deine Mutter oder Schwester früh in die Wechseljahre gegangen ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du das auch tust. Der Lebensstil kann daran etwas ändern, spielt aber immer die zweite Geige.
Dass Rauchen die Fruchtbarkeit schadet, gilt weithin als gesichert – doch eine Studie mit jungen afroamerikanischen Frauen fand bei Raucherinnen keine messbar niedrigere Eierstockreserve. Das widerspricht dem, was in anderen Bevölkerungsgruppen beobachtet wurde, und dazu gibt es bisher keine kontrollierten Studien, die den Widerspruch auflösen. Das Rauchen aufzugeben bleibt aus anderen Gründen sinnvoll. Beim regelmäßigen Rauschtrinken sieht es anders aus: Frauen, die mindestens zweimal pro Woche große Mengen Alkohol auf einmal tranken, hatten 26 % niedrigere Werte des Hormons, das die Eierstockreserve widerspiegelt, verglichen mit Frauen, die zwar tranken, aber nie auf diese Weise. Moderater oder gelegentlicher Alkoholkonsum war nicht mit niedrigeren Werten verbunden.
Von gesunder Ernährung erwartest du vielleicht am meisten, aber die mediterrane Ernährung und ähnliche fruchtbarkeitsfreundliche Diäten hingen in einer Beobachtungsstudie mit Frauen in einem Fertilitätszentrum nicht mit einer höheren Anzahl antraler Follikel zusammen – das sind die heranreifenden Eibläschen, an denen man die Eierstockreserve ablesen kann. Das Ernährungsmuster insgesamt verbessert die Reserve also nicht spürbar. Eine andere Beobachtungsstudie zeigte allerdings, dass Frauen, die täglich Folsäurepräparate einnahmen, eine leicht höhere Reserve hatten. Der Unterschied zwischen 400 und 800 mcg zusätzlicher Folsäure pro Tag betrug ungefähr eineinhalb Follikel mehr; über 800 mcg zeigte sich kein weiterer Vorteil. Beobachtungsstudien belegen keine ursächlichen Zusammenhänge.
Luftverschmutzung ist ein Faktor, den kaum jemand auf dem Schirm hat. Höhere Feinstaubbelastung hing mit niedrigeren Messwerten für die Eierstockreserve zusammen, und der Effekt war bei Frauen über 35 stärker ausgeprägt. Das liegt nur teilweise in deiner Hand, aber Wohnen und Sport in stark belasteten Gebieten kann Folgen haben. Auch hormonaktive Chemikalien in bestimmten Kunststoffen wie BPA können IVF-Ergebnisse negativ beeinflussen, wobei das Gesamtbild von Lebensstil und IVF-Erfolg komplex und uneinheitlich ist.
Es gibt veränderbare Faktoren, aber die Effekte sind bescheiden und beruhen überwiegend auf Beobachtungsstudien, nicht auf kontrollierten Versuchen. Regelmäßiges Rauschtrinken zu vermeiden sowie die Belastung durch Luftverschmutzung und hormonaktive Substanzen zu reduzieren, sind die konkretesten Ansatzpunkte. Folsäurepräparate bis 800 mcg täglich sind eine ergänzende Option mit etwas Datenbasis. Wenn du vermutest, früh in die Wechseljahre zu kommen, sprich das mit deiner Gynäkologin an, damit ihr gemeinsam entscheiden könnt, ob engmaschigere Kontrollen sinnvoll sind.
Alle Aussagen basieren auf Reviews und Beobachtungsstudien. Es gibt keine randomisierten Studien oder Metaanalysen, die belegen, dass Lebensstilinterventionen die Eierstockreserve oder den Zeitpunkt der Wechseljahre ursächlich verbessern.