Was hilft Frauen dabei, die Libido zu steigern?
Es gibt mehrere gut belegte Optionen, je nach Lebensphase: Für Frauen nach der Menopause hat transdermales Testosteron die stärkste Evidenzbasis, und Achtsamkeitstherapie wirkt für eine breitere Gruppe. Medikamentöse Optionen solltest du immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen, denn Verfügbarkeit und Langzeitsicherheit erfordern eine individuelle Abwägung.
Transdermales Testosteron (also über die Haut, nicht als Tablette) hat die stärkste Evidenzbasis. Eine Metaanalyse aus 36 randomisierten Studien mit über 8.000 postmenopausalen Frauen mit geringem sexuellem Verlangen zeigte, dass das Mittel signifikant mehr befriedigende sexuelle Erlebnisse erzeugt, Verlangen und Erregung steigert und sexuellen Leidensdruck reduziert. Ein wichtiges Detail: Nur die transdermale Variante. Eine Testosteron-Tablette wirkt sich nämlich ungünstig auf die Cholesterinwerte aus (mehr LDL, weniger HDL), während Pflaster oder Gel das nicht tun. Zur Langzeitsicherheit von Testosteron bei Frauen fehlen noch ausreichende Daten, und Akne sowie verstärkter Haarwuchs treten häufiger auf.
Für Frauen vor der Menopause gibt es Flibanserin, ein gut dokumentiertes Medikament, das das sexuelle Verlangen verbessert. Es ist in den USA für prämenopausale Frauen mit niedrigem Verlangen zugelassen, in den meisten anderen Ländern jedoch nicht auf dem Markt. Bremelanotid ist ein weiteres zugelassenes Mittel, das bei Bedarf vor dem Sex eingenommen wird und sowohl Verlangen als auch Erregung verbessert. Beide Medikamente sind in deutschen Apotheken nicht standardmäßig erhältlich.
Achtsamkeitsbasierte kognitive Verhaltenstherapie ist der psychologische Ansatz mit der stärksten Evidenz. Mehrere Studien zeigen Verbesserungen bei Verlangen, Erregung und Orgasmus. Hirnforschung liefert Hinweise darauf, warum das helfen kann: Frauen mit geringem sexuellem Verlangen zeigen mehr Aktivität in Hirnarealen, die an Selbstkritik und Selbstbewertung beteiligt sind. Auf Achtsamkeit ausgerichtete Therapie kann diese Hemmung durchbrechen, wobei es sich dabei um Mechanismusforschung handelt und noch kein Beweis dafür vorliegt, dass die Therapie speziell dadurch wirkt.
Pflanzliche Mittel und sogenannte natürliche Aphrodisiaka wie Yohimbin oder Ginseng haben bei Frauen keine überzeugende Wirksamkeit gezeigt. Die verfügbaren Daten sind spärlich und nicht aussagekräftig genug, um daraus eine Empfehlung abzuleiten.
Basierend auf einer großen Metaanalyse (n=8480, 36 RCTs) für transdermales Testosteron, mehreren RCTs für Flibanserin, Bremelanotid und achtsamkeitsbasierte kognitive Verhaltenstherapie sowie einer kleinen Neuroimaging-Studie zum Hirnnetwerk-Mechanismus. Keine separaten Daten für prämenopausale Frauen und transdermales Testosteron.