Können Essstörungen wie Anorexie bleibende Knochenschäden verursachen?
Anorexie kann bleibende Knochenschäden verursachen, besonders wenn die Erkrankung in der Pubertät beginnt. Frühzeitige Erholung ist entscheidend. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber, wenn du selbst oder jemand in deinem Umfeld betroffen ist.
Anorexia nervosa schädigt Knochen auf mehreren Wegen gleichzeitig. Zu niedriges Körpergewicht, Östrogenmangel durch das Ausbleiben der Menstruation, erhöhte Stresshormone sowie zu wenig Vitamin D und Kalzium stören sowohl den Knochenaufbau als auch den Knochenabbau. Das Ergebnis ist ein stark erhöhtes Frakturrisiko.
Jugendliche tragen das größte Risiko. In der Pubertät baust du normalerweise deine maximale Knochenmasse auf, das Kapital, von dem du den Rest deines Lebens zehrst. Anorexie in dieser Phase unterbricht genau diesen Aufbau. Das kann zu dauerhaft geringerer Knochenstärke führen, mit höherem Bruch- und Knochenschmerzrisiko im späteren Leben.
Gewichtswiederherstellung allein löst das Problem nicht schnell. Junge Frauen, die im Schnitt zehn Kilogramm zunahmen, zeigten nach einem Jahr noch keine messbare Verbesserung der Knochendichte in Wirbelsäule oder Hüfte, obwohl es Anzeichen für eine einsetzende Erholung des Knochenaufbaus gab.
Frühzeitige Gewichtsnormalisierung kombiniert mit dem Wiedereinsetzen der Menstruation bietet den besten Schutz für die Knochen. Östrogen-Gestagen-Pillen helfen bei Anorexie nicht, was sich von der Situation älterer Frauen mit Knochenschwund nach der Menopause unterscheidet. Östradiol als Pflaster, kombiniert mit zyklischem Progesteron, scheint bei Teenagern den Knochenaufbau aufrechtzuerhalten; dazu gibt es bisher nur kleine Studien. Bisphosphonate, eine Gruppe knochenschützender Wirkstoffe, können bei erwachsenen Frauen mit schwerem Knochenverlust die Knochendichte verbessern, reichern sich aber lange im Körper an und sind in der Schwangerschaft möglicherweise schädlich. Sie kommen nur infrage, wenn eine Gewichtsnormalisierung nicht gelingt und bereits Brüche aufgetreten sind.
Auch Menschen mit Bulimie haben ein erhöhtes Risiko für Knochenprobleme, besonders wenn sie zuvor auch an Anorexie gelitten haben. Die Evidenzlage dafür ist schwächer als bei Anorexie.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere Übersichtsarbeiten von Fachleuten auf diesem Gebiet. Der Zusammenhang zwischen Anorexie und Knochenschäden ist durch konsistente Forschungsergebnisse gut belegt. Zur Wirksamkeit spezifischer Behandlungen wie Östradiolpflastern bei Teenagern oder Bisphosphonaten ist die Datenlage dagegen begrenzt und basiert auf kleinen Studien; belastbare Schlussfolgerungen lassen sich hier noch nicht ziehen.
Gibt es Ernährungsmuster, die Knochenbrüche nachweislich reduzieren?
Fermentierte Milchprodukte, ausreichend Obst und Gemüse sowie ein abwechslungsreiches Ernährungsmuster mit Protein und Kalzium sind für den Knochenschutz am besten belegt – während Softdrinks, Alkohol und eine zu einseitige vegane Ernährung ohne gezielte Ergänzung das Frakturrisiko erhöhen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Knochenverlust?
Schlafmangel und schlechte Schlafqualität hängen mit weniger Knochenaufbau zusammen und gehen bei Frauen nach den Wechseljahren mit deutlich mehr Knochenverlust einher. Ausreichend und regelmäßig zu schlafen ist damit auch für die Knochengesundheit relevant.
Beeinflusst Übergewicht die Knochendichte?
Übergewicht erhöht die Knochendichte nicht eindeutig. Ob das Skelett davon profitiert oder Schaden nimmt, hängt stark davon ab, wo und wie viel Fett vorhanden ist. Wer abnehmen möchte, sollte das langsam angehen und Krafttraining einbauen, um Knochenverlust zu begrenzen.
Wie schützt du deine Knochen, wenn du im Alter abnimmst?
Krafttraining während des Abnehmens bietet den besten verfügbaren Schutz vor Knochenverlust, kann ihn aber nicht vollständig verhindern. Kombiniere es mit ausreichend Protein und besprich das Thema mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn du schnell oder viel abnimmst.
Erhöht Diabetes das Knochenbruchrisiko?
Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes erhöhen das Knochenbruchrisiko nachweislich. Wenn du Diabetes hast, frag deinen Arzt, ob deine Knochengesundheit ausreichend überwacht wird – denn der Standard-Risikoscore unterschätzt dieses Risiko.
Erhöht zu wenig Protein das Knochenbruchrisiko im Alter?
Ja, zu wenig Protein erhöht im Alter das Knochenbruchrisiko. Das geschieht sowohl über eine verminderte Knochenmasse als auch über eine geschwächte Muskulatur. Angestrebt werden sollten mindestens 1,0 bis 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich, am besten zusammen mit ausreichend Kalzium und Vitamin D.