Lebst du länger, wenn du mehr Salz isst?
Mehr Salz zu essen verlängert das Leben nicht. Auf individueller Ebene erhöht es das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisbar, während eine Salzreduktion den Blutdruck und das Risiko für einen frühen Tod senkt.
Mehr Salz und ein längeres Leben passen nicht zusammen. Ein Vergleich von 181 Ländern scheint zunächst das Gegenteil nahezulegen: Länder mit höherem Salzkonsum haben im Durchschnitt eine längere gesunde Lebenserwartung, mit einem Unterschied von 2,6 Jahren pro Gramm zusätzlichem Natrium pro Tag. Die Autoren dieser Untersuchung warnen jedoch ausdrücklich davor, daraus Ernährungsempfehlungen abzuleiten. Reiche Länder konsumieren nun einmal mehr Salz und verfügen gleichzeitig über bessere Gesundheitsversorgung, höhere Einkommen und eine ausgewogenere Ernährung. Dieser statistische Zusammenhang sagt nichts über Ursache und Wirkung.
Auf individueller Ebene zeichnet die Forschung ein völlig anderes Bild. Jedes zusätzliche Gramm Natrium pro Tag erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um rund 4 % und das Schlaganfallrisiko um rund 6 %. Weniger Natrium zu essen senkt das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben (relatives Risiko 0,83), sowie die Gesamtsterblichkeit (relatives Risiko 0,88). Mehrere große Analysen, die jeweils Dutzende Studien zusammenfassen, weisen konsistent in dieselbe Richtung.
Am deutlichsten zeigt sich der Effekt beim Blutdruck. Weniger als 6 Gramm Salz pro Tag senkt den Blutdruck im Durchschnitt um mehr als 3 mmHg und kann den Bedarf an blutdrucksenkenden Medikamenten um rund 30 % verringern. Finnland zeigt auf Bevölkerungsebene, was das über Jahrzehnte bedeuten kann: Der durchschnittliche Salzkonsum sank dort innerhalb von dreißig Jahren um ein Drittel, während der Blutdruck um mehr als 10 mmHg fiel und die Sterblichkeit durch Schlaganfall und Herzinfarkt um 75 bis 80 % zurückging. Andere Faktoren haben dabei sicher ebenfalls eine Rolle gespielt.
Zu viel Salz schädigt außerdem die Blutgefäße auf Wegen, die unabhängig vom Blutdruck sind: Es stört die Bildung von Stoffen, die Blutgefäße entspannen, und macht die Gefäßwand steifer. Bei Menschen mit Nierenerkrankungen macht eine Salzreduktion besonders viel aus: Sie verringert Wassereinlagerungen und verstärkt die Wirkung nierenprotektiver Medikamente. Bei Herzinsuffizienz ist der Nutzen einer Salzreduktion weniger eindeutig. Randomisierte Studien finden keine nachweisbare Senkung von Sterblichkeit oder Krankenhausaufenthalten, auch wenn sich manche Patienten subjektiv besser fühlen.
Die Antwort stützt sich auf mehrere große Analysen, die jeweils Dutzende Studien zusammenfassen, ergänzt durch dreißig Jahre Bevölkerungsforschung in Finnland sowie mechanistische Studien an Menschen und Tieren. Die Evidenzlage dafür, dass hoher Salzkonsum auf individueller Ebene das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht und Salzreduktion den Blutdruck senkt, ist stark. Die finnischen Bevölkerungsdaten sind vom Umfang her überzeugend, können andere Einflussfaktoren jedoch nicht ausschließen. Bei Herzinsuffizienz sind die vorliegenden Studien vergleichsweise klein und methodisch heterogen, was die Evidenzlage dort schwächer macht. Den ökologischen Ländervergleich haben die Autoren selbst als ungeeignete Grundlage für Ernährungsempfehlungen eingestuft.
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