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Lohnt sich die Brustkrebsvorsorge?

Ja · Starke Evidenz

Für die meisten Frauen überwiegt der Nutzen der Vorsorgeuntersuchung die Nachteile, wobei das je nach Alter und Risikoprofil unterschiedlich ist. Wenn du dichtes Brustgewebe hast oder Brustkrebs in der Familie vorkommt, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber, ob ergänzende Untersuchungen für dich sinnvoll sind.

Mammografie-Screening hat in den letzten 30 Jahren dazu beigetragen, die Brustkrebssterblichkeit um mindestens 20 % zu senken. Das ist ein erheblicher Effekt, der durch mehrere starke Studien belegt ist. Für viele Frauen ist die Teilnahme daher sinnvoll.

Das Screening hat aber auch echte Nachteile. Ein Teil der Frauen wird nach einem falsch-positiven Befund unnötig zurückgerufen, was unnötige Sorgen verursacht. Hinzu kommt die Überdiagnose: das Aufspüren von Tumoren, die nie Beschwerden verursacht hätten und auch nie hätten behandelt werden müssen. Wie groß dieser Nachteil genau ist, lässt sich schwer in einer einzigen Zahl ausdrücken, er fließt aber in die Abwägung ein.

Ob du persönlich mehr Nutzen als Schaden hast, hängt von Alter, Brustdichte und erblichem Risiko ab. Bei Frauen mit dichtem Brustgewebe kann die reguläre Mammografie Krebserkrankungen übersehen. Für sie ist eine ergänzende MRT nachweislich die beste Option: In einer großen Analyse mit mehr als 260.000 Frauen fand die MRT deutlich mehr übersehene Krebserkrankungen als Ultraschall oder ein 3D-Mammogramm. MRT wird inzwischen für Frauen mit extrem dichtem Brustgewebe oder erhöhtem familiären Risiko empfohlen.

Eine interessante Entwicklung ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um zu bestimmen, wer von einer ergänzenden MRT profitiert. Eine randomisierte Studie zeigte, dass eine KI-Risikoanalyse auf Basis der Mammografie bei der Auswahl von Frauen für eine ergänzende MRT fast viermal effizienter war als die klassische Brustdichtemessung. Eine britische Modellstudie berechnete, dass eine risikogesteuerte Screening-Häufigkeit (weniger Untersuchungen für Frauen mit niedrigem Risiko, mehr für solche mit hohem Risiko) sowohl Kosten sparen als auch Gesundheitsgewinne erzielen würde. Das sind allerdings noch Modellberechnungen und kein Beleg für einen direkten klinischen Nutzen. Und was KI als Ersatz für die Radiologin oder den Radiologen betrifft: Eine systematische Übersichtsarbeit aus 12 Studien mit über 130.000 Frauen zeigte, dass die meisten KI-Systeme weniger genau waren als eine einzelne Fachkraft und allesamt weniger genau als zwei Fachkräfte gemeinsam. KI als Screening-Hilfsmittel ist also noch nicht reif für den selbstständigen Einsatz.

Abschließend ein Hinweis zur Zugänglichkeit: Frauen ohne Krankenversicherung nehmen seltener am Screening teil, obwohl gerade sie von einer Früherkennung profitieren könnten.

Die Belege
8 Studien · 2 Meta-Analysen · ≈ 525.221 Teilnehmer

Die Aussagen stützen sich auf mehrere systematische Übersichtsarbeiten und eine große Metaanalyse (261.233 Teilnehmerinnen zum MRT-Screening), eine randomisierte Studie (ScreenTrustMRI), ein entscheidungsanalytisches Modell (NHS) sowie eine systematische Übersichtsarbeit zu KI (BMJ, 131.822 Frauen). Die Sterblichkeitssenkung von 20 % beruht auf mehreren starken Quellen. Nachteile wie Überdiagnose sind anerkannt, werden in den verfügbaren Quellen aber nicht in konkreten Zahlen beziffert.

Zuletzt aktualisiert: August 2026
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