Macht eine NAD-Infusion (IV-Drip) Sinn?
Eine NAD-Infusion hat keinen belegten Vorteil gegenüber günstigeren oralen Nahrungsergänzungsmitteln, und auch diese entfalten bei gesunden Menschen kaum nachweisbare Wirkung. Erwäge eine Infusion nur nach Rücksprache mit deinem Arzt, besonders wenn du eine spezifische Erkrankung hast.
Eine NAD-Infusion ist deutlich schlechter erforscht als orale Formen der NAD-Ergänzung. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass eine solide klinische Prüfung für den intravenösen Weg fehlt. Es gibt schlicht zu wenig Forschung, um zu sagen, ob eine Infusion gegenüber einer Kapsel oder einem Pulver irgendeinen Vorteil bietet.
Die einzige klinische Studie, die gezielt eine IV-Gabe untersuchte, tat dies bei fünfzehn Parkinson-Patienten. Sieben Tage NADH-Infusion führten zu einer messbaren Verbesserung auf einer Symptomskala. Die Studie hatte jedoch keine Kontrollgruppe und war klein, sodass sich daraus keine belastbaren Schlüsse ziehen lassen. Zudem handelte es sich um eine Patientengruppe mit einer spezifischen neurologischen Erkrankung, nicht um gesunde Menschen, die möglichst lange jung bleiben wollen.
Orale NAD-Nahrungsergänzungsmittel sind besser untersucht. Eine randomisierte Studie zeigte, dass NAD-Booster den NAD-Spiegel im Blut nachweislich anheben. Ob das auch Beschwerden lindert oder das Altern verlangsamt, ist eine andere Frage. Bei gesunden Menschen sind kaum klinisch relevante Effekte belegt, bei Sportlern verbessern sich Muskelstoffwechsel oder Leistung dadurch nicht. Die Ergebnisse bei Erkrankungen sind gemischt: Eine randomisierte Studie mit 207 ME/CFS-Patienten fand weniger kognitive Erschöpfung unter einer Kombination aus CoQ10 und NADH, wobei einer der Forscher finanzielle Verbindungen zum Hersteller hatte.
Der Effekt einer NAD-Ergänzung steigt nicht einfach mit der Dosis. Alter, Stoffwechselzustand und Einnahmeweg spielen alle eine Rolle, und es gibt Hinweise darauf, dass der Körper ab einem bestimmten Punkt gesättigt ist. Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Schlafprobleme werden berichtet, gelten in Studien aber nicht als schwerwiegend. Sowohl orale als auch intravenöse Formen werden insgesamt als gut verträglich eingestuft.
Die Quellen umfassen zwei randomisierte Studien, zwei klinische Studien (darunter eine mit 15 Parkinson-Patienten ohne Kontrollgruppe), eine systematische Übersichtsarbeit und drei Reviews. Eine Metaanalyse speziell zu intravenösem NAD ist nicht verfügbar. Die Evidenz für den IV-Weg ist am dünnsten.