Schützt Vitamin K2 Knochen und Blutgefäße?
Vitamin K2 verbessert wahrscheinlich die Knochendichte bei Frauen nach den Wechseljahren – für Blutgefäße und Frakturrisiko ist die Evidenz aber noch zu dünn für belastbare Aussagen. Wer Blutverdünner nimmt, sollte vorher einen Arzt oder eine Apothekerin befragen.
Vitamin K2 erfüllt im Körper zwei Aufgaben: Es lotst Calcium in die Knochen und verhindert gleichzeitig, dass es sich in den Gefäßwänden ablagert. Dafür aktiviert es zwei Proteine mit jeweils unterschiedlicher Funktion – eines lenkt Calcium ins Knochengewebe, das andere hält die Gefäßwände frei von Kalkablagerungen. Dieser Wirkmechanismus ist wissenschaftlich gut belegt.
Für die Knochengesundheit von Frauen nach den Wechseljahren sind die Ergebnisse recht vielversprechend. Eine Metaanalyse aus 16 kontrollierten Studien mit 6.425 Teilnehmerinnen zeigte eine signifikante Verbesserung der Knochendichte in der Lendenwirbelsäule1. Wird Vitamin K2 mit Vitamin D kombiniert, fällt der Zugewinn an Gesamtknochendichte noch deutlicher aus – das belegen 8 Studien mit 971 Teilnehmern. Der Effekt war am stärksten bei Dosierungen unter 500 Mikrogramm pro Tag2.
Allerdings gibt es auch widersprüchliche Befunde. Mehrere Übersichtsarbeiten stufen die Gesamtevidenz für Knochengesundheit noch als nicht schlüssig ein3,4. Bei westlichen Bevölkerungsgruppen ließ sich durch eine Supplementierung an den meisten Skelettregionen kein messbarer Knochengewinn nachweisen4. Der Effekt scheint also davon abzuhängen, welche Bevölkerungsgruppe untersucht wird, welche Dosis eingesetzt wird und wie die jeweilige Studie aufgebaut ist.
Noch unsicherer ist die Datenlage beim Frakturrisiko. Ohne Bereinigung um eine einzelne Ausreißerstudie zeigt sich kein signifikanter Unterschied. Schließt man diesen Ausreißer aus, sinkt das Risiko um rund 57 Prozent. Da ein einziger Datenpunkt das Gesamtergebnis so stark beeinflusst, ist diese Halbierung des Risikos fragil und keineswegs als gesichert zu betrachten1,4.
Für Blutgefäße steckt die Forschung noch in den Anfängen. Große Studien, die eine tatsächliche Reduktion von Gefäßverkalkungen beim Menschen belegen, fehlen bislang5,6. Was die Verträglichkeit betrifft: Vitamin K2 verursacht nicht mehr Nebenwirkungen als ein Placebo1. Eine wichtige Ausnahme gilt jedoch für Menschen, die Blutverdünner wie Warfarin oder Acenocoumarol einnehmen – sie sollten vorher unbedingt mit einem Arzt oder einer Apothekerin sprechen, da Vitamin K direkt in den Wirkmechanismus dieser Medikamente eingreift.
Grundlage sind 2 Metaanalysen kontrollierter Studien (PMID 36033779 mit 6.425 Teilnehmern; PMID 32219282 mit 971 Teilnehmern), ergänzt durch eine ältere Übersichtsarbeit (PMID 24090644), mechanistische Reviews (PMID 38063255, 29749440) sowie einen narrativen Review (PMID 32972636). Insgesamt wurden in den quantitativen Analysen rund 7.400 Teilnehmer erfasst. Unterschiede zwischen Studien und Bevölkerungsgruppen schränken ein, wie weit sich die Schlussfolgerungen verallgemeinern lassen.