Schützen Lycopin und Tomaten vor Prostatakrebs?
Mehr Tomatenprodukte zu essen hängt mit einem geringeren Prostatakrebs-Risiko zusammen, ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis ist aber noch nicht belegt. Tomaten gehören gerne auf den Speiseplan, einzelne Lycopin-Nahrungsergänzungsmittel als Schutzmaßnahme sind dagegen nicht empfehlenswert.
Lycopin, der rote Farbstoff in Tomaten, wirkt als starkes Antioxidans. Es neutralisiert freie Radikale und schützt Zellen dadurch vor Schäden. Das gilt als eine der möglichen Erklärungen für den schützenden Effekt auf die Prostata.
In Tierstudien verlangsamt Lycopin das Wachstum von Prostatartumoren konsistent. Ein früher Beginn und eine langfristige Anwendung scheinen dabei am wirksamsten zu sein. Ob das auch beim Menschen so funktioniert, ist noch unklar.
Epidemiologische Studien am Menschen zeigen einen Zusammenhang: Wer mehr Tomatenprodukte isst, hat im Durchschnitt ein geringeres Risiko für Prostatakrebs. Dieses Muster taucht in mehreren Studien auf. Ein ursächlicher Zusammenhang ist damit aber noch nicht belegt, denn große randomisierte klinische Studien fehlen. Außerdem sind die Ergebnisse nicht einheitlich: Es gibt auch Studien, die diesen Zusammenhang nicht finden.
Lycopin als einzelnes Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen ist derzeit nicht ausreichend belegt, um es zu empfehlen. Die widersprüchlichen Ergebnisse machen es schwer zu sagen, ob es wirklich das Lycopin allein ist oder das Zusammenspiel mit anderen Stoffen in Tomaten und Gemüse. Eine Ernährungsweise, die reich an Tomatenprodukten und Gemüse ist, etwa die mediterrane Ernährung, hat immerhin konsistente epidemiologische Hinweise auf einen schützenden Effekt.
Es gibt außerdem eine kleine Studie mit Männern, die unter gutartiger Prostatavergrößerung litten. Dabei reduzierte eine Kombination aus Lycopin, Selen und einem Pflanzenextrakt die Entzündung im Prostatagewebe und verbesserte Harnwegsbeschwerden. Die Evidenzbasis ist jedoch zu begrenzt, um daraus schon belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen.
Basiert auf Zell-, Tier- und epidemiologischen Studien (mehrere PMIDs). Große randomisierte klinische Studien am Menschen fehlen. Eine kleine klinische Studie zur Kombinationstherapie bei gutartiger Prostatavergrößerung (BPH).