Sind Kalziumpräparate schlecht für dein Herz?
Kalziumpräparate gehen möglicherweise mit einem erhöhten Herzrisiko einher, doch nicht alle Studien bestätigen das. Hol dir Kalzium am besten aus der Ernährung und besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, ob ein Präparat für dich wirklich nötig ist.
Kalziumpräparate erhöhen möglicherweise das Herzinfarktrisiko. Mehrere große Auswertungen randomisierter placebokontrollierter Studien fanden ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt von rund 27 bis 31 % sowie ein um 15 bis 16 % erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und koronare Herzerkrankungen insgesamt. Dieser Effekt zeigte sich vor allem bei gesunden Frauen nach den Wechseljahren. Eine neuere Auswertung aus dem Jahr 2023 fand jedoch keinen statistisch signifikanten Zusammenhang, auch nicht für Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Sterblichkeit. Die Studien widersprechen sich also nicht vollständig, sie zeigen aber auch kein einheitliches Bild.
Auffällig ist der Unterschied zu Kalzium aus der Nahrung. Große Bevölkerungsstudien finden keinen klaren Zusammenhang zwischen diätetischem Kalzium und einem erhöhten Herzrisiko. Dieser Unterschied ist wichtig: Ein Präparat schleust eine große Kalziummenge auf einmal ins Blut, während Nahrungskalzium verteilt und langsam aufgenommen wird. Der Anstieg des Blutkalziums nach einem Präparat soll zur Verkalkung von Blutgefäßen beitragen, doch dieser Mechanismus ist bislang nicht abschließend belegt.
Neben dem möglichen Herzrisiko gibt es weitere Nachteile. Kalziumpräparate erhöhen das Risiko für Nierensteine um rund 17 %, und das Risiko einer Krankenhauseinweisung wegen Magen-Darm-Beschwerden verdoppelt sich. Gleichzeitig ist der Nachweis, dass Präparate tatsächlich Knochenbrüche verhindern, schwach: Mehrere große Studien fanden keine Schutzwirkung vor Frakturen, und für Hüftfrakturen fehlt der Beleg nahezu vollständig.
Was bedeutet das für dich? Wenn kein nachgewiesener Kalziummangel und kein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel vorliegen, sind die Vorteile von Kalziumpräparaten gering und die Risiken real. Kalzium nimmst du am sichersten über eine abwechslungsreiche Ernährung auf, etwa durch Milchprodukte, Hülsenfrüchte und grünes Gemüse. Wurden dir Kalziumpräparate verschrieben, zum Beispiel nach einem Knochenbruch, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber, ob Dosis und Notwendigkeit noch stimmen.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere große Auswertungen, die Ergebnisse randomisierter placebokontrollierter Studien zusammengeführt haben, darunter eine Analyse mit mehr als 43.000 Teilnehmenden. Die Befunde zum Herzrisiko sind nicht einheitlich: Frühere Auswertungen fanden ein signifikant erhöhtes Risiko, die aktuellste aus dem Jahr 2023 nicht. Die Forschenden selbst nennen Inkonsistenz zwischen den Studien als zentrales Problem. Für Nierensteine, Magen-Darm-Risiken und das Ausbleiben einer Frakturprävention ist die Evidenz konsistenter. Die Befunde zu Kalzium aus der Nahrung beruhen auf Bevölkerungsstudien ohne randomisiertes Design, sodass dort kein Ursache-Wirkungs-Verhältnis nachweisbar ist.