Stimmt es, dass Frauen biologisch langsamer altern als Männer?
Frauen leben im Durchschnitt länger und schneiden bei Messungen des biologischen Alters günstiger ab, tragen aber in mehreren Bereichen wie Hirnerkrankungen, Muskelschwund und Gebrechlichkeit im hohen Alter ein höheres Risiko. 'Frauen altern langsamer' greift zu kurz.
Im Durchschnitt leben Frauen länger als Männer, und molekulare Biomarker zeigen, dass ihr biologisches Alter tatsächlich niedriger ist. Trotzdem gibt es ein Paradox: Am Ende ihres Lebens sind Frauen ausgerechnet gebrechlicher und häufen mehr Gesundheitsprobleme an, während Männer bei körperlichen Funktionstests besser abschneiden. 'Langsamer altern' ist also nur ein Teil des Bildes.
Beim Gehirn ist die Lage gemischt. Frauen haben ein höheres Alzheimer-Risiko als Männer. Geschlechtshormone und -chromosomen scheinen über Entzündungsprozesse und den Stoffwechsel zu diesem Unterschied beizutragen. Auch die Art, wie Männer und Frauen Hirnpathologien widerstehen, unterscheidet sich, doch das Ergebnis wechselt je nach Alter und Krankheitsstadium, sodass es keine eindeutige Gewinnerin gibt.
Bei Muskeln und Knochen fällt die Bilanz ebenfalls nicht zugunsten von Frauen aus. Männer starten mit mehr Muskelmasse, und mit zunehmendem Alter verlieren Frauen Muskelmasse über Mechanismen, die mit einer stärkeren Entzündungsreaktion zusammenhängen. Bei den Knochen zeigen sich Geschlechtsunterschiede, die bereits im Grundschulalter beginnen; welche Auswirkungen das auf das Frakturrisiko im hohen Alter hat, ist noch nicht vollständig untersucht.
Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirkt sich das biologische Altern je nach Geschlecht unterschiedlich aus. Beschleunigtes biologisches Altern durch Übergewicht erhöht bei Männern das Risiko vor allem über die Körperform, bei Frauen stärker über viszerales Bauchfett und den Stoffwechsel. Das betrifft insbesondere die Altersgruppe der 45- bis 65-Jährigen. Ob Organe generell je nach Geschlecht unterschiedlich altern, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler derzeit intensiv, praktische Schlussfolgerungen lassen sich daraus noch nicht ziehen.
Die Aussagen beruhen auf Assoziationsstudien und Reviews; für dieses Thema sind keine großen randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) verfügbar. Die Evidenzstärke ist überwiegend mäßig, mit Ausnahme der Knochenstruktur, für die sie als begrenzt gilt.