Was macht eine kohlenhydratarme Ernährung langfristig mit deinem LDL-Cholesterin?
Eine kohlenhydratarme Ernährung erhöht LDL kurzfristig, doch dieser Effekt verschwindet oft nach einem Jahr; die Wirkung auf Triglyzeride und HDL ist günstiger, aber was das langfristig für dein Herzrisiko bedeutet, ist in klinischen Endpunktstudien bislang nicht belegt.
Eine ketogene Ernährung lässt den LDL-Wert kurzfristig spürbar ansteigen. In einer randomisierten Studie (n=33) stieg LDL nach 12 Wochen ketogener Ernährung im Schnitt um 10%, während eine mediterrane Ernährung ihn um 5% senkte. Bei Menschen mit Diabetes zeigte eine weitere Studie nach sechs Monaten einen zusätzlichen Anstieg von gut 0,37 mmol/L gegenüber einer kohlenhydratreichen Ernährung.
Nach ein bis zwei Jahren verschwindet dieser Unterschied jedoch weitgehend. Eine Cochrane-Analyse von 61 randomisierten Studien mit knapp 7.000 Teilnehmern fand langfristig kaum einen Unterschied im LDL zwischen kohlenhydratarmer und kohlenhydratausgewogener Ernährung – weder bei Menschen mit noch ohne Diabetes. Das deckt sich mit der Diabetes-Studie, in der der LDL-Effekt bereits nach neun Monaten nicht mehr nachweisbar war.
Nicht jede kohlenhydratarme Ernährung wirkt gleich. Eine stark kalorienreduzierte ketogene Ernährung senkte zwar LDL, doch dieser Rückgang war nicht größer als bei anderen Ernährungsformen mit vergleichbarem Kaloriendefizit. Der Gewichtsverlust selbst dürfte also dafür verantwortlich sein, nicht das Weglassen der Kohlenhydrate.
Günstiger sieht die Bilanz bei Triglyzeriden und HDL aus. Triglyzeride sind Blutfette, die bei erhöhten Werten das Herzrisiko steigern; HDL ist das sogenannte gute Cholesterin, das Gefäße eher schützt. Ketogene und kohlenhydratarme Ernährungsweisen senken Triglyzeride zuverlässig und erhöhen HDL – beides gilt als vorteilhaft für die Herzgesundheit.
Manche Autoren argumentieren, ein erhöhter LDL-Wert sei bei kohlenhydratarmer Ernährung nicht problematisch, solange Triglyzeride niedrig und HDL hoch sind. Dieser Gedanke ist plausibel, widerspricht aber den gängigen Leitlinien, und klinische Studien mit harten Endpunkten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall fehlen dazu bisher. Liegt dein LDL ohnehin schon im oberen Bereich und kommen weitere Risikofaktoren hinzu, solltest du das mit deinem Arzt besprechen.
Basiert auf einer Cochrane-Analyse (n=6.925, 61 RCTs), zwei einzelnen RCTs und einer europäischen Metaanalyse. Die Evidenzqualität für den Langzeiteffekt ist mäßig bis gering. Das narrative Review zu Statinen ist assoziativ, und mögliche kommerzielle oder ideologische Interessen lassen sich nicht vollständig beurteilen.