Was hält dein Gedächtnis im Alter fit?
Guter Schlaf, bewusste Ernährung nach dem MIND-Diät-Muster und gezieltes kognitives Training haben die stärkste Evidenzbasis, um dein Gedächtnis im Alter zu schützen. Der Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und Kognition ist zu vorläufig, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Nicht alles lässt im Laufe der Jahre nach. Verarbeitungsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit nehmen am stärksten ab, während Sprache, Allgemeinwissen und visuelle Wahrnehmung weitgehend erhalten bleiben. Schwierigkeiten beim Erinnern entstehen meist beim Abrufen von Informationen, nicht beim Speichern. Ältere Menschen behalten positive und persönlich bedeutsame Inhalte bemerkenswert gut im Gedächtnis. Wenn du etwas Neues lernen willst, mach es für dich persönlich relevant.
Schlaf ist einer der wirksamsten Hebel. Im Tiefschlaf werden Erinnerungen gefestigt. Mit zunehmendem Alter nimmt dieser Tiefschlaf schrittweise ab, was die Gedächtnisfestigung verschlechtert, besonders bei Aufgaben, die Fertigkeiten erfordern. Schlafstörungen erhöhen zudem das Demenzrisiko. Schlaf ist kein Luxus, sondern ein aktives Werkzeug für dein Gedächtnis.
Ernährung hat einen bescheidenen, aber messbaren Einfluss. Wer sich nach dem MIND-Diät-Muster ernährt, einer Kombination aus Mittelmeer- und DASH-Diät mit Schwerpunkt auf Gemüse, Beeren, Nüssen, Fisch und wenig rotem Fleisch, zeigte in mehreren großen Bevölkerungsstudien ein geringeres Demenzrisiko und eine bessere Kognition. Nur ein Teil der Langzeitstudien beobachtete auch einen Vorteil beim kognitiven Abbau über die Zeit. Da fast alle diese Studien Beobachtungsstudien aus Nordamerika sind, lassen sich Ursache und Wirkung nicht sauber trennen.
Gezieltes kognitives Training kann ebenfalls helfen. Ältere Erwachsene zwischen 60 und 85 Jahren, die ein speziell entwickeltes Multitasking-Videospiel trainierten, schnitten danach bei Aufgaben zu kognitiver Kontrolle, Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit besser ab als untrainierte Zwanzigjährige. Dieser Leistungsgewinn hielt sechs Monate an. Das belegt nicht, dass jedes kommerzielle Gehirnspiel wirkt, zeigt aber, dass gezieltes, adaptives Training das Gehirn auch im höheren Alter messbar verbessern kann.
Forschung zu sogenannten Superagern, also Achtzigjährigen mit dem Gedächtnis eines Fünfzigjährigen, belegt, dass Gedächtnisschwund im hohen Alter kein unausweichliches Schicksal ist. Ihre Gehirne sind strukturell jünger, mit mehr Volumen und weniger Anzeichen Alzheimer-typischer Schäden. Welche Faktoren genau schützen, ist bislang ungeklärt. Daneben gibt es vorläufige Hinweise, dass chronische UV-Strahlenbelastung über Stresshormone die Neubildung von Gehirnzellen hemmen könnte; dazu gibt es bisher fast nur Labordaten aus Tierversuchen.
Die Aussagen stützen sich auf eine Kombination aus Beobachtungskohortenstudien, randomisierten kontrollierten Studien (Videospiel-Training), Schlafforschung sowie Autopsie- und Bildgebungsstudien bei Superagern. Der Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und Kognition basiert überwiegend auf Laborforschung mit begrenzter Übertragbarkeit auf den Menschen. In den vorliegenden Studien wurden keine kommerziellen Interessenkonflikte angegeben.