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Schützt ein tägliches Multivitaminpräparat das Gedächtnis im Alter?

Moderate Evidenz

Ein tägliches Multivitaminpräparat kann das Gedächtnis bei älteren Menschen mit Risiko für Nährstoffmängel oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Vorgeschichte schützen. Für gut ernährte ältere Menschen ist dieser Vorteil bislang nicht überzeugend belegt.

Drei große randomisierte Studien, zusammengefasst in einer Metaanalyse mit über 5.200 Teilnehmern, zeigen, dass die tägliche Einnahme eines Multivitaminpräparats das episodische Gedächtnis und die allgemeine kognitive Leistung älterer Erwachsener im Vergleich zu Placebo verbessert. Der Effekt auf das episodische Gedächtnis entspricht grob zwei bis dreimal weniger Gedächtnisabbau über zwei bis drei Jahre. Das ist gering, aber messbar.

Nicht alle profitieren gleichermaßen. In der COSMOS-Mind-Studie war der Vorteil am größten bei Menschen mit einer Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine separate, langjährige Studie mit älteren männlichen Ärzten (bis zu 12 Jahre Nachbeobachtung) zeigte keinerlei Effekt auf Gedächtnis oder Kognition. Die Forschenden führten das auf die besondere Stichprobe zurück: gut ernährt, hochgebildet und aller Wahrscheinlichkeit nach ohne nennenswerte Nährstoffmängel. Wer über die Ernährung bereits ausreichend Vitamine aufnimmt, hat schlicht weniger zu gewinnen.

Eine kleinere Studie zu B-Vitaminen (B6, B12 und Folsäure) bei älteren Menschen mit leichten Gedächtnisbeschwerden und erhöhten Homocysteinwerten lieferte positive Signale: Das Gedächtnis verbesserte sich, der Homocysteinspiegel sank, und depressive Beschwerden gingen nach 12 Wochen zurück. Da die Studie nicht randomisiert war und nur 48 Teilnehmer umfasste, lassen sich daraus keine belastbaren Schlüsse ziehen. Sie gibt aber Anlass zu vermuten, dass Menschen mit Nährstoffmängeln stärker profitieren.

Eine randomisierte Studie in Schottland mit 910 Teilnehmern ab 65 Jahren fand nach 12 Monaten keinen Effekt auf Gedächtnis oder verbale Flüssigkeit in der Gesamtgruppe. Es zeigte sich ein schwaches, nicht signifikantes Signal zugunsten der Ältesten (75+) und derjenigen mit erhöhtem Risiko für Nährstoffmängel. Kakaoextrakt (Flavanole) hatte in den COSMOS-Studien übrigens keinen Einfluss auf die Kognition.

Insgesamt scheint ein tägliches Multivitaminpräparat vor allem älteren Menschen zu nutzen, die ein Risiko für Nährstoffmängel haben oder bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgemacht haben. Für gut ernährte, gesunde ältere Menschen ist ein Nutzen bislang in groß angelegten Studien nicht nachgewiesen.

Die Belege
6 Studien · 1 Meta-Analyse · 4 randomisierte Studien · ≈ 14.712 Teilnehmer

Die Antwort stützt sich hauptsächlich auf drei randomisierte Studien aus dem COSMOS-Programm, zusammengefasst in einer Metaanalyse mit über 5.200 Teilnehmern. Diese Studien wurden unabhängig voneinander durchgeführt und zeigen konsistent positive Effekte, was das Vertrauen in die Befunde stärkt. Dem gegenüber steht eine ebenfalls groß angelegte, langjährige randomisierte Studie mit knapp 6.000 männlichen Ärzten und bis zu 12 Jahren Nachbeobachtung, die keinen Effekt fand. Diese Diskrepanz macht deutlich, dass Merkmale der Studienpopulation, insbesondere der Ernährungszustand, eine entscheidende Rolle spielen. Die kleineren Studien (Schottland, Korea) liefern zusätzlichen Kontext, können Ursache und Wirkung aber weniger zuverlässig belegen.

Zuletzt geprüft: September 2026 · wie das beurteilt wurde
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