Was ist der TOTOX-Wert, und warum ist er bei Fischöl-Nahrungsergänzungsmitteln wichtig?
Viele Fischöl-Nahrungsergänzungsmittel überschreiten die Qualitätsnorm für Ranzigkeit und enthalten zudem weniger wirksame Fettsäuren als angegeben. Achte beim Kauf von Fischöl auf Produkte mit einer nachweisbaren Qualitätskontrolle der Oxidation, denn Preis und Mindesthaltbarkeitsdatum sagen darüber kaum etwas aus.
Der TOTOX-Wert gibt an, wie ranzig ein Fischöl-Nahrungsergänzungsmittel geworden ist. Er berechnet sich als das Doppelte der sogenannten Peroxidzahl zuzüglich des Anisidinwerts. Die Peroxidzahl erfasst frische Oxidation, der Anisidinwert bereits länger bestehende Abbauprodukte. Zusammen liefern beide Kennzahlen ein vollständigeres Bild als jede für sich. Der internationale GOED-Standard, eine anerkannte Qualitätsnorm für Fischöl, setzt die Obergrenze bei 26.
In der Praxis wird diese Norm regelmäßig überschritten. Bei einer Untersuchung von 72 amerikanischen Omega-3-Nahrungsergänzungsmitteln wiesen 68 % der aromatisierten Produkte einen zu hohen TOTOX-Wert auf, bei den nicht aromatisierten waren es 13 %. In Neuseeland erfüllten lediglich 8 % von 32 untersuchten Produkten gleichzeitig alle drei Oxidationsnormen. In Südafrika hatte mehr als 80 % der gemessenen Nahrungsergänzungsmittel sowohl 2009 als auch 2012 eine zu hohe Peroxidzahl. Preis, Mindesthaltbarkeitsdatum und Herkunft erwiesen sich dabei als unzuverlässige Qualitätsindikatoren.
Neben zu hohen Oxidationswerten enthalten die meisten Produkte auch weniger wirksame Fettsäuren (EPA und DHA) als auf dem Etikett versprochen. In Neuseeland enthielten 69 % der Produkte weniger als zwei Drittel der angegebenen Menge, in Südafrika galt dasselbe für mehr als die Hälfte. Du bekommst also manchmal weniger von dem, was du willst, und mehr von dem, was du nicht willst.
Ob ranziges Fischöl beim Menschen tatsächlich gesundheitsschädlich ist, lässt sich bislang nur schwer belegen. Tierversuche zeigen Schäden durch oxidierte Fette, doch klinische Studien am Menschen haben den Oxidationsstatus der getesteten Öle bis heute kaum erfasst. Die potenziellen Gesundheitsrisiken sind also biologisch plausibel, klinisch aber noch nicht belegt. Immerhin sorgen Oxidationsprodukte wie Aldehyde für den bekannten Fischgeruch und Fischgeschmack, der viele Menschen von Nahrungsergänzungsmitteln fernhält.
Aussagen basieren auf Marktuntersuchungen aus den USA, Neuseeland, Südafrika und den VAE sowie einem Review zu Oxidation und Gesundheitseffekten. Keine randomisierten Studien; die Evidenz für Gesundheitsschäden beim Menschen beschränkt sich auf Tierversuche und assoziative Studien.