Was machen Polyphenole aus Beeren und Rotwein mit deinen Darmbakterien?
Polyphenole aus Beeren und Rotwein scheinen nützliche Darmbakterien zu fördern und schädliche zu reduzieren, doch die Humanstudien sind sehr klein. Beeren sind die sicherere Wahl gegenüber Rotwein, weil du die Vorteile ohne Alkohol bekommst.
Polyphenole aus Beeren und Rotwein gelangen größtenteils unverdaut in den Dickdarm und dienen dort als Nahrung für deine Darmbakterien. Mehrere kleine Humanstudien zeigen, dass sie die Zahl der Bifidobacterium- und Lactobacillus-Bakterien erhöhen, beides Arten, die die Darmwand schützen. Dieser Effekt war bereits nach 20 bis 30 Tagen messbar. Die Studien zählten jedoch jeweils nur zehn Teilnehmer, sodass die Befunde in größerem Maßstab noch nicht bestätigt wurden.
Bei Menschen mit metabolischem Syndrom zeigte Rotwein einen zusätzlichen Effekt: Er reduzierte Bakterien, die entzündungsfördernde Substanzen namens Endotoxine produzieren, darunter E. coli und Enterobacter cloacae. Gleichzeitig nahm die Zahl butyratproduzierender Bakterien zu. Butyrat, auch Buttersäure genannt, ernährt die Zellen deiner Darmwand und dämpft leichte Entzündungen. Diese Ergebnisse stammen aus derselben kleinen Studie mit zehn Patienten.
Anthocyane, die Farbstoffe, die Beeren ihre tiefrote oder violette Farbe verleihen, fördern die Vielfalt der Darmbakterien und die Bildung kurzkettiger Fettsäuren. Dazu gibt es bisher fast ausschließlich Labor- und Tierdaten. Zudem variierte die Stärke des Effekts von Person zu Person erheblich.
Ein systematisches Review fand nur eine einzige Humanstudie, die Veränderungen der Darmbakterienzusammensetzung nach Rotweinkonsum direkt erfasste. Die übrigen sechs Studien nutzten die Darmbakterien lediglich als Zwischenschritt, um den Abbau von Polyphenolen zu messen. In einer kleinen Studie mit Patienten mit Colitis ulcerosa, einer chronischen Darmentzündung, veränderte sich die Bakterienvielfalt nicht messbar, obwohl die Teilnehmer weniger Beschwerden berichteten. Da jede Gruppe nur fünf Personen umfasste, lassen sich daraus keine belastbaren Schlüsse ziehen.
Beeren sind die bessere Wahl, wenn du deine Darmbakterien unterstützen möchtest, weil der gesundheitliche Nutzen dort nicht an Alkohol gebunden ist. Rotwein liefert zwar interessante Polyphenole, doch Alkohol schadet der Darmwand und dem Mikrobiom eigenständig. Eine Handvoll gemischter Beeren täglich liefert Anthocyane ohne diesen Nachteil.
Die Evidenz basiert auf zwei systematischen Reviews, drei randomisierten Studien sowie ergänzenden Review- und Tierarbeiten. Die Humanstudien sind jedoch sehr klein (n=5 bis n=10), und große randomisierte klinische Studien fehlen vollständig.