Was macht die Wechseljahre mit deinem Herzerkrankungsrisiko?
Die Wechseljahre erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweislich, vor allem durch ungünstige Veränderungen bei Körperfett, Cholesterin und Blutdruck. Wenn du früh in die Wechseljahre kommst oder eine Hormontherapie erwägst, solltest du dein persönliches Risikoprofil mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen.
Die Wechseljahre sind mehr als eine hormonelle Umstellung: Es ist eine Phase, in der das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen spürbar steigt. Körperfett verlagert sich in die Bauchregion, die Insulinempfindlichkeit sinkt und das Cholesterinprofil verschlechtert sich. Diese Veränderungen entwickeln sich in den Wechseljahren deutlich schneller, als sich das allein durch normales Altern erklären ließe. Frauen bekommen Herzkranzgefäßerkrankungen im Schnitt etwas später als Männer, doch die Wechseljahre holen einen Teil dieses Zeitvorsprungs wieder auf.
Je früher die Wechseljahre einsetzen, desto größer ist dieses Risiko. Frauen, die vor dem 40. Lebensjahr in die Wechseljahre kommen, haben ein nachweislich höheres Risiko für Herzkranzgefäßerkrankungen, Herzinsuffizienz und Schlaganfall als Frauen mit späterem Beginn. Bei Frauen, denen beide Eierstöcke vor dem 40. Lebensjahr operativ entfernt wurden, ist dieses Risiko noch erheblich größer. Hitzewallungen und Schlafprobleme sind nicht nur lästige Beschwerden: Frauen mit solchen Symptomen weisen im Schnitt auch ein ungünstigeres Herzrisikoprofil auf.
Hormontherapie ist eine verbreitete Option, aber ihre Sicherheit hängt stark vom Präparat und vom Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab. Orale Kombinationstherapie mit Östrogen und Gestagen erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Durchblutungsstörungen am Herzen. Tibolon, ein synthetisches Präparat, das gelegentlich bei Wechseljahresbeschwerden verschrieben wird, zeigt in einer großen schwedischen Registerstudie ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Hirninfarkt. Das sind ernste Hinweise, die du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen solltest, bevor du eine Hormontherapie beginnst.
Es gibt vorsichtige Hinweise darauf, dass eine Hormontherapie mit Östradiol und Progesteron, die kurz nach Beginn der Menopause gestartet wird, möglicherweise einen schützenden Effekt auf das Herz hat. Das ist die sogenannte Timing-Hypothese: Der Schutz scheint nur dann zu greifen, wenn man früh genug beginnt, nicht wenn man Jahre nach der Menopause mit der Therapie anfängt. Dazu stützen sich die Daten bisher vor allem auf Beobachtungsstudien, was den Startzeitpunkt dennoch zu einem entscheidenden Faktor macht.
Die DASH-Diät und die mediterrane Ernährung beeinflussen das Cholesterin günstig und verbessern die Gefäßfunktion. Beide Ernährungsweisen sind für Frauen in den Wechseljahren gut geeignet.
Die Aussagen stützen sich auf Längsschnittstudien, eine große schwedische Registerstudie sowie Übersichtsarbeiten. Der Zusammenhang zwischen Wechseljahren und kardiovaskulärem Risiko ist konsistent und gut belegt. Die Befunde zur Hormontherapie, sowohl hinsichtlich der Risiken als auch des möglichen Schutzes, basieren auf Beobachtungsstudien und Registerdaten, nicht auf randomisierten Studien mit harten Endpunkten als primärem Ziel. Die Ernährungsempfehlungen beruhen auf begrenzter Evidenz speziell für Frauen in den Wechseljahren.