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Welche Faktoren schwächen dein Immunsystem?

Ja · Moderate Evidenz

Mehrere Faktoren schwächen das Immunsystem nachweislich: Mängel an Vitamin A, Zink und Eisen sind am besten belegt, aber auch medizinische Behandlungen, chronischer Stress und intensive körperliche Belastung tragen dazu bei. Wer wegen einer HIV-Infektion oder nach einer Transplantation dauerhaft Immunsuppressiva nimmt, sollte Infektionsschutzmaßnahmen mit einer Ärztin oder einem Arzt absprechen.

Nährstoffmängel sind die am besten belegte Ursache für ein geschwächtes Immunsystem. Ein Vitamin-A-Mangel schädigt die Schleimhautbarrieren und drosselt die Antikörperproduktion; bei Kindern und Schwangeren führt das in Regionen mit knappem Vitamin-A-Angebot nachweislich zu höherer Sterblichkeit. Zinkmangel erhöht das Risiko für schwere Infektionen wie Durchfall und Lungenentzündung, zwei der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren weltweit. Eisenmangel, der verbreitetste Nährstoffmangel überhaupt, beeinträchtigt das Immunsystem zusätzlich zur bekannten Blutarmut.

Bestimmte medizinische Situationen unterdrücken das Immunsystem massiv. Eine Organ- oder Stammzelltransplantation, eine HIV-Infektion sowie die Dauereinnahme hoher Steroiddosen (mehr als 20 mg Prednison täglich) verdoppeln bis verdreifachen das Risiko einer schweren Lungenentzündung. Die Sterbewahrscheinlichkeit nach einer solchen Lungenentzündung liegt ebenfalls deutlich höher. Das sind die schwersten medizinisch anerkannten Formen der Immunschwäche.

Psychosozialer Stress und die psychische Verfassung spielen ebenfalls eine Rolle. Trauer um nahestehende Menschen und psychische Erkrankungen gehen in mehreren Studien mit messbaren Schwächungen des Immunsystems einher. Psychologische Faktoren tauchen in der Forschung wiederholt als Risikofaktor für Atemwegsinfekte, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und rheumatoide Arthritis auf.

Anhaltende intensive Belastung, etwa ein Marathon, schwächt das Immunsystem vorübergehend. In den drei bis 72 Stunden danach, dem sogenannten Open Window, haben Viren und Bakterien leichteres Spiel. Starke Kälte kann ebenfalls mehrere Teile des Immunsystems unterdrücken; dazu gibt es bisher überwiegend Tierdaten, und beim Menschen setzt nach zwei bis drei Wochen eine Anpassung ein.

Mit dem Altern verändert sich das Immunsystem grundlegend. Der Thymus, die Drüse hinter dem Brustbein, die neue Abwehrzellen heranreifen lässt, verliert mit der Zeit an Funktion. Dadurch entstehen weniger frische T-Zellen, die noch keinen Krankheitserreger kennen. Gedächtniszellen hingegen arbeiten weiterhin gut, weshalb es sich nicht um einen einfachen Leistungsabfall handelt. Ein Überschuss an schädlichen Sauerstoffmolekülen im Körper, oxidativer Stress genannt, trägt zur Alterung der Immunzellen bei; dass Antioxidantien diesem Prozess wirksam entgegenwirken, ist bislang kaum belegt.

Die Belege
8 Studien

Basierend auf mehreren PMIDs, darunter eine große deutsche Kohortenstudie (PMID 38935248), ein Review zu Nährstoffen und Immunfunktion (PMID 26045325) sowie psychoneuroimmunologische Forschung (PMID 2657967). Die Evidenzstärke variiert je nach Faktor: stark für Nährstoffmängel und medizinische Immunsuppression, moderat für Stress und intensive körperliche Belastung, begrenzt für Kälte und oxidativen Stress.

Zuletzt geprüft: August 2026 · wie das beurteilt wurde
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