Welche Nahrungsergänzungsmittel solltest du nicht mit Blutverdünnern kombinieren?
Mehrere Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Blutverdünnern verstärken oder abschwächen; nenne sie deiner Apotheke oder deinem Arzt, bevor du sie einnimmst.
Vitamin K ist die konkreteste Wechselwirkung: Warfarin wirkt, indem es Vitamin K blockiert – ein Vitamin-K-Präparat kann diesen blutverdünnenden Effekt daher direkt und erheblich abschwächen. Schwankende Einnahmemengen erschweren außerdem die Dosissteuerung. Dieser Zusammenhang ist gut verstanden und ursächlich belegt.
Johanniskraut nimmt unter den Kräutern eine Sonderstellung ein: Es beschleunigt den Abbau von Blutverdünnern in der Leber. Das gilt für Warfarin, aber auch für neuere Wirkstoffe wie Dabigatran und Rivaroxaban. Der Wirkstoffspiegel im Blut sinkt dadurch, und das Thromboserisiko steigt. Dies ist die am besten belegte pflanzliche Risikowechselwirkung bei Menschen, die Blutverdünner einnehmen.
Ginkgo biloba steht seit Längerem im Blick, weil Fallberichte über Blutungskomplikationen vorliegen. Diese traten teils schon ohne Blutverdünner auf; die Kombination gilt deshalb als besonders riskant. Vergleichbare Fallberichte gibt es für Dong Quai, ein Kraut mit östrogenähnlicher Wirkung, das die Wirkung von Warfarin offenbar verstärkt, sowie für Rosskastanien-Extrakt. Für Ginseng gehen die Meldungen in beide Richtungen: Es scheint die gerinnungshemmende Wirkung manchmal zu verstärken und manchmal abzuschwächen.
Vitamin E in Supplementform nennen Fachleute ebenfalls als Aufmerksamkeitspunkt bei Blutverdünnern. Cranberry-Saft erschien aufgrund von Fallmeldungen zunächst verdächtig; formale Studien fanden jedoch keinen Effekt.
Bei den meisten Nahrungsergänzungsmitteln stammen die Daten überwiegend aus Fallberichten statt aus kontrollierten Studien. Das macht das Risiko aber nicht kleiner, denn Fallberichte handeln genau von den Menschen, bei denen etwas schiefgegangen ist. Schätzungsweise jede dritte Person, die Blutverdünner schluckt, nimmt auch Nahrungsergänzungs- oder Kräuterpräparate. Erwähne das immer bei deiner Apotheke oder deinem Arzt, auch bei vermeintlich natürlichen Produkten.
Alle Quellen sind Reviews (darunter narrative und nicht näher indexierte Reviews). Keine Metaanalysen oder randomisierten Studien im Quellenbestand. Der Großteil der Evidenz zu einzelnen Kräutern stammt aus Fallberichten.