Wie viel Probiotika brauchst du täglich?
Eine universelle Tagesdosis für Probiotika existiert nicht: Wie viel du brauchst, hängt stark vom Bakterienstamm, dem Anwendungsbereich und deiner Beschwerde ab. Wähle deshalb immer ein Produkt, das gezielt für deine Situation untersucht wurde, und besprich Unsicherheiten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.
Die Dosis, bei der Probiotika eine Wirkung zeigen, unterscheidet sich je nach Anwendungsfall erheblich. Bei Kindern, die Antibiotika erhielten, hatte eine Tagesdosis von 10 Milliarden KBE (koloniebildende Einheiten) keinen signifikanten Effekt auf streng definierte Antibiotika-assoziierte Diarrhö. Dieselbe Dosis senkte jedoch das allgemeine Durchfallrisiko während und kurz nach dem Antibiotikakurs um etwa 35 % relative Risikoreduktion. Eine pauschale 'gute Dosis' gibt es also nicht: Es kommt darauf an, was du erreichen möchtest, und welche Stämme du einnimmst.
Bei wiederkehrenden Darminfektionen mit Clostridioides difficile, einem gefährlichen Krankenhauskeim, war die Dosis besonders ausschlaggebend. Eine Tagesdosis von 8 Milliarden KBE reduzierte Rückfälle von 45,5 % auf 13,8 %. Eine niedrigere Dosis von 1,6 Milliarden KBE zeigte dagegen keinen nachweisbaren Effekt. Dabei handelt es sich um ein spezifisches, experimentelles Probiotikamischpräparat aus acht Bakterienstämmen; größere Studien müssen diese Ergebnisse noch bestätigen.
Bei Kleinkindern mit einer Atemwegsinfektion der oberen Atemwege verkürzte eine Mischung aus drei bestimmten Bakterienstämmen über zwei Wochen die Fieberdauer im Schnitt um zwei Tage. Zur genauen KBE-Dosis in diesem Fall liefern die verfügbaren Daten keine abschließende Antwort. Bei Erwachsenen mit schwerer Depression zeigte eine Tagesdosis von 10 Milliarden KBE eines spezifischen Bifidobacterium-Stamms nach vier Wochen einen statistisch signifikanten Effekt auf Stimmungswerte, allerdings umfasste die Studie nur 45 Teilnehmende und ist daher rein explorativ.
Wichtig zu wissen: Die WHO rät bei Kindern mit akuter wässriger Diarrhö ausdrücklich von Probiotika ab, weil die Evidenz dafür zu schwach und zu unsicher ist. Probiotika sind also keineswegs immer die richtige Wahl, auch nicht bei 'naheliegenden' Beschwerden wie Durchfall bei Kindern.
Alle Aussagen beruhen auf mehreren kontrollierten Studien (eine RCT bei Kindern mit Antibiotika PMID 35727573, eine RCT bei Atemwegsinfektionen PMID 40085083, eine kleine RCT bei Depression PMID 34875345, eine Phase-2-RCT bei C. difficile PMID 37060545 sowie die WHO-Leitlinie 2024 PMID 40839064). Keine dieser Studien liefert eine universelle Dosierungsempfehlung; jede Anwendung hat ihre eigenen Stämme und Dosierungen.