Was ist der Unterschied zwischen Probiotika und Postbiotika?
Postbiotika scheinen beim Reizdarmsyndrom genauso wirksam zu sein wie lebende Probiotika und sind bei geschwächtem Immunsystem sicherer – für die meisten anderen Beschwerden reichen die vorliegenden Daten nicht aus, um eines von beiden zu empfehlen.
Probiotika sind lebende Bakterien, zum Beispiel Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme, die du in ausreichender Menge einnehmen musst, damit sie wirken. Sie verändern unter anderem die Zusammensetzung deiner Darmflora und hemmen Krankheitserreger – auch außerhalb des Darms, etwa in der Mundhöhle.
Postbiotika werden aus denselben Bakterien gewonnen, sind aber nicht mehr lebendig. Dazu zählen hitzebehandelte Bakterien und Stoffwechselprodukte, die diese Bakterien ausschütten, etwa bestimmte kurzkettige Fettsäuren. Obwohl sie inaktiv sind, entfalten sie trotzdem eine biologische Wirkung im Körper. Ein konkretes Forschungsbeispiel ist eine hitzebehandelte Variante von Bifidobacterium longum.
Weil Postbiotika keine lebenden Bakterien enthalten, können sie bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem keine Infektion auslösen. Das macht sie für diese Gruppe sicherer. Hinzu kommt, dass sie sich deutlich einfacher lagern und transportieren lassen als lebende Probiotika.
Ob du lebende Probiotika oder das hitzebehandelte Postbiotikum nimmst, scheint für die Wirkung kaum einen Unterschied zu machen. In einer randomisierten Studie mit 200 Teilnehmenden mit Reizdarmsyndrom (mit Durchfall als Hauptbeschwerde) sanken die Beschwerden-Scores nach 84 Tagen um rund 174 Punkte beim lebenden Bakterienstamm und um 178 Punkte beim hitzebehandelten Postbiotikum. In der Placebogruppe betrug der Rückgang lediglich etwa 60 Punkte. Das legt nahe, dass die Bakterie nicht zwingend lebendig sein muss, um zu wirken.
Diesen Befund solltest du nicht zu weit verallgemeinern. Für die meisten Erkrankungen wie Adipositas oder entzündliche Darmerkrankungen gibt es bisher keine ausreichenden Belege, dass Probiotika oder Postbiotika wirklich helfen – hier liegen größtenteils nur kleinere Beobachtungsstudien vor. Einzig die Stuhltransplantation hat derzeit einen belegten Nutzen, und zwar spezifisch bei wiederkehrenden Clostridioides-difficile-Infektionen. Auch die Hinweise darauf, dass diese Mittel Schlaf oder Stress verbessern, sind widersprüchlich und nicht überzeugend.
Aussagen basieren auf mehreren Studien, darunter einer randomisierten doppelblinden Studie (n=200, PMID 38630015), einer Definitionsstudie (PMID 36968114), einer Sicherheitsperspektive (PMID 37513229) sowie mehreren Reviews. Die Evidenz ist am stärksten für IBS-D; für andere Erkrankungen überwiegend beobachtend oder unzureichend.