Wirkt Semaglutid als Tablette genauso gut wie die Spritze?
Für die Gewichtsabnahme sind Tablette (25 mg täglich) und Spritze (2,4 mg wöchentlich) vergleichbar wirksam. Bei Diabetes bleibt mehr Unsicherheit; besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, welche Form besser zu dir passt.
Tablette und Spritze erzielen vergleichbare Gewichtsabnahmen, wie ein direkter Vergleich zweier großer randomisierter Studien zeigt. Die Spritze (2,4 mg pro Woche) schnitt zahlenmäßig etwa 1 Prozentpunkt besser ab als die Tablette (25 mg täglich), doch dieser Unterschied ist zu klein, um klinisch relevant zu sein. Die US-Arzneimittelbehörde FDA setzt dafür eine Schwelle von 5 Prozentpunkten an.
Für die Blutzuckerbehandlung bei Diabetes ist das Bild etwas uneinheitlicher. Praxisdaten von 292 italienischen Patientinnen und Patienten zeigen, dass die Spritze bei allen gemessenen Endpunkten (Blutzucker, Gewicht, Bauchumfang) besser abschnitt als die Tablette. Dieser Vergleich ist jedoch verzerrt: Die Spritze wurde häufiger jüngeren Personen mit stärkerem Übergewicht verschrieben, was einen fairen Vergleich der Ergebnisse erschwert.
Warum braucht die Tablette überhaupt so eine hohe Dosis? Der Wirkstoff wird über den Darm aufgenommen, was von Natur aus deutlich weniger effizient ist als eine Injektion. Bei niedrigen Dosen gelangt nur ein geringer Anteil ins Blut. Höhere Dosen (25 mg) gleichen das aus: Bei den meisten Anwenderinnen und Anwendern sind die Blutspiegel dann mit denen der Spritze vergleichbar, wie pharmakokinetische Modellierungen zeigen.
Nebenwirkungen sind bei beiden Formen ähnlich und bestehen vor allem aus Magen-Darm-Beschwerden. Bei der 14-mg-Tablette litten 15 bis 20 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer unter Übelkeit. Diese Beschwerden traten früh auf und ließen mit der Zeit nach. Zwischen 5 und 8 Prozent brachen die Behandlung deshalb ab.
Auch die Kosten sprechen nicht klar für eine der beiden Formen: Pro verhindertem Herz-Kreislauf-Ereignis sind Tablette und Spritze preislich nahezu gleichwertig. Im Vergleich mit anderen injizierbaren Wirkstoffen derselben Klasse schneidet die Tablette bei der Kosteneffektivität gut ab, wobei die Analysen zum Teil von Forschenden erstellt wurden, die Verbindungen zum Hersteller haben.
Der Gewichtsabnahmewert stammt aus einem direkten Vergleich zweier randomisierter Studien (OASIS 4 und STEP 1). Die pharmakokinetischen Daten wurden teils an gesunden Freiwilligen gemessen und teils per Modellierung simuliert, nicht an einer großen Patientengruppe erhoben. Die Praxisdaten zur Diabetesbehandlung stammen aus einem einzelnen retrospektiven Kohortenkollektiv von 292 Patientinnen und Patienten, bei dem die Verteilung auf die beiden Gruppen ungleich war. Die Kostenanalysen wurden zum Teil von Forschenden mit Verbindungen zum Hersteller erstellt und basieren auf Preisen und Bevölkerungsdaten aus den USA von 2019.