Was ist Jungblut / Plasmatausch, und funktioniert das wirklich?
Jungblut klingt auf Basis der Tierstudien vielversprechend, aber beim Menschen ist bisher kein Nutzen belegt. Lass dich von kommerziellen Angeboten in diesem Bereich vorerst nicht überzeugen: Die wissenschaftliche Grundlage ist schlicht zu dünn.
Die Idee hinter Jungblut oder Plasmatausch stammt aus dem Mauslabor: Verbindet man den Blutkreislauf eines jungen und eines alten Tieres miteinander, erholt sich das Gewebe des alten Tieres deutlich besser. Stammzellnischen in Muskeln und anderen Organen werden aktiver. Das ist in Tierstudien solide belegt, aber eine bewährte Behandlung für Menschen gibt es daraus bislang nicht.
Alte Mäuse, denen junges Plasma verabreicht wurde, zeigten auch eine teilweise verbesserte Gehirnplastizität und Kognition. Forschende gehen davon aus, dass sogenannte pro-juvenile Faktoren im Blut dafür verantwortlich sind. Das klingt verlockend, doch es handelt sich um Tierstudien. Ob derselbe Effekt beim Menschen auftritt, ist eine ganz andere Frage.
Beim Menschen fällt die Bilanz weniger positiv aus. Eine systematische Review mit Metaanalyse aus acht randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 1.148 Alzheimerpatienten fand keine statistisch signifikante Verbesserung von Kognition oder Alltagsfunktion gegenüber Placebo. Einbezogen waren blutbasierte Therapien insgesamt, darunter Plasmatausch und Immunglobuline. Das ist ein klar negatives Ergebnis für diese Patientengruppe.
Bei Parkinson wurde eine kleine Pilotstudie mit fünfzehn Teilnehmenden durchgeführt, die zweimal wöchentlich Infusionen mit jungem Plasma erhielten. Das Verfahren war sicher und gut verträglich. Es gab vorsichtige Hinweise auf eine verbesserte verbale Flüssigkeit und einen Rückgang eines bestimmten Entzündungsmarkers im Blut. Da die Studie jedoch keine Kontrollgruppe hatte, lassen sich daraus keinerlei Schlüsse zur Wirksamkeit ziehen.
Dazu kursieren anekdotische Berichte eines Unternehmens, das behauptet, junge Plasmafraktionen zur Umkehrung des Alterungsprozesses einsetzen zu können. Anekdotische Berichte stehen auf der niedrigsten Stufe der Evidenzleiter und können keine Kausalität belegen. Solchen Behauptungen solltest du mit großer Skepsis begegnen.
Eine Metaanalyse aus 8 randomisierten kontrollierten Studien (n=1.148, Alzheimer), mehrere Reviews zu Tierstudien, eine kleine Pilotstudie ohne Kontrollgruppe bei Parkinson (n=15) sowie eine Publikation auf Basis anekdotischer Berichte. Große randomisierte kontrollierte Studien an gesunden Menschen fehlen bislang vollständig.