Wirkt Stammzelltherapie beim Menschen gegen das Altern?
Für eine spezifische Anwendung, körperliche Gebrechlichkeit im Alter, liegt eine erste randomisierte Studie mit positivem Ergebnis vor. Für alle anderen altersbedingten Anwendungsgebiete ist es zu früh für belastbare Aussagen, und Stammzelltherapie kann heute noch nicht als bewiesene Behandlung gegen das Altern gelten.
Eine randomisierte Studie mit 148 gebrechlichen älteren Menschen zeigt positive Ergebnisse. Teilnehmer, die eine Infusion mit allogenen Knochenmarkstammzellen (Laromestrocel, also Stammzellen eines fremden Spenders) erhalten hatten, legten nach neun Monaten im Gehtest im Schnitt 63 Meter mehr zurück als die Placebogruppe. Dieser Unterschied ist klinisch bedeutsam und statistisch belastbar. Zusätzlich verbesserten sich die Patienten auf einer Selbstbeurteilungsskala für körperliche Funktionsfähigkeit. Das ist derzeit der stärkste direkte Wirkungsnachweis beim Menschen.
Außerhalb dieser einen Studie fällt die Evidenzlage deutlich dünner aus. Übersichtsartikel beschreiben vielversprechende Befunde bei altersbedingten Erkrankungen wie Alzheimer, Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, doch stammen diese überwiegend aus Laborexperimenten oder kleinen Erkundungsstudien, nicht aus großen Bestätigungsstudien. Der Sprung zur breiten klinischen Anwendung ist noch nicht vollzogen.
Tierversuche an Primaten zeigen, dass genetisch veränderte Stammzellen Alterungserscheinungen bremsen können, ohne sichtbare Nebenwirkungen. Dazu gibt es bisher nur Tierdaten: Solche Befunde erlauben keine Aussagen darüber, was beim Menschen funktioniert. Dasselbe gilt für Reprogrammierungsexperimente an Zellen und Tieren, bei denen Zellen in einen jüngeren Zustand zurückversetzt werden.
Ein praktisches Problem, das mehrere Studien betonen: Stammzellen altern selbst, sowohl im Körper als auch beim Anzüchten im Labor. Gealterte Stammzellen arbeiten weniger zuverlässig. Das macht es schwierig, gleichbleibend wirksame Therapien herzustellen, und ist eine echte Hürde für den breiten Einsatz.
Stammzelltherapie beim Menschen ist kein einheitliches Konzept. Für körperliche Gebrechlichkeit im Alter gibt es eine randomisierte Studie mit einem ermutigenden Ergebnis. Für alles andere, von der Hautverjüngung bis zur Demenz, sind die Hinweise vorläufig und beruhen auf früher Forschung. Belastbare Schlussfolgerungen zur Lebensverlängerung oder zu einem breiten Gesundheitsgewinn lassen sich beim Menschen derzeit nicht ziehen.
Die stärkste Evidenz stammt aus einer einzigen randomisierten Studie mit 148 älteren Menschen. Alle anderen Befunde kommen aus Übersichtsartikeln, Primatenversuchen sowie Zell- und Laborstudien. Eine systematische Übersichtsarbeit, die mehrere randomisierte Studien zusammenfasst, existiert nicht. Die Autorinnen und Autoren der Primatenstudie betonen selbst, dass der Schritt zur klinischen Anwendung beim Menschen noch aussteht; Autorinnen und Autoren von Übersichtsartikeln weisen auf ungelöste Probleme hin, darunter Immunreaktionen, Zelltod nach der Gabe und Qualitätsverlust der Stammzellen bei der Herstellung.