Aktiviert Kaffee mTOR?
Koffein aktiviert mTOR nicht, sondern hemmt es. Ob das auch bei normalem Kaffeekonsum beim Menschen gilt, ist noch nicht gezeigt, also solltest du daraus noch keine harten Schlussfolgerungen für die Praxis ziehen.
Koffein aktiviert mTOR nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Koffein hemmt mTOR, ein Protein, das Zellwachstum, Zellteilung und Stoffwechsel steuert. Dieser Effekt wurde in mehreren unabhängigen Zellstudien mit verschiedenen Zelltypen nachgewiesen, darunter Krebszellen, Gefäßzellen und Immunzellen.
Woran erkennen Forschende, dass mTOR gehemmt wird? Sie messen die Aktivität zweier Proteine, die mTOR normalerweise einschaltet. Nach einer Behandlung mit Koffein sind beide deutlich weniger aktiv. Eine geringere Aktivität dieser Proteine ist ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass mTOR gebremst wird.
Eine direkte Folge dieser mTOR-Hemmung ist gesteigerte Autophagie, also der zelleigene Recyclingprozess, bei dem beschädigte Bestandteile abgebaut und wiederverwertet werden. Das wurde sowohl in Zellkulturen als auch in Tierversuchen beobachtet. Wie Koffein mTOR genau hemmt, wurde ebenfalls untersucht: In Magenkrebszellen läuft dieser Vorgang über ein Protein namens PTEN, das eine Signalkette zu mTOR abschwächt. Wurde PTEN künstlich ausgeschaltet, verlor Koffein seine hemmende Wirkung.
Eine Zellstudie zeigte, dass Koffein in Kombination mit Alkohol die mTOR-Hemmung verstärkt und zusätzliche Schäden an Nervenzellen verursacht. Die eingesetzten Mengen waren jedoch extrem hoch und lassen sich nicht mit normalem Kaffeekonsum vergleichen. Dieses Ergebnis sagt also nichts über deine morgendliche Tasse Kaffee aus.
Die gesamte bisherige Forschung wurde an Zellen und Tieren durchgeführt, nicht an Menschen. Es ist unbekannt, ob und in welchem Ausmaß Kaffeetrinken die mTOR-Aktivität im menschlichen Körper spürbar beeinflusst. Die Richtung des Effekts ist in den Zellstudien konsistent, doch der Übertrag in den Alltag wurde noch nicht gezeigt.
Alle Aussagen basieren auf Zell- und Tierversuchen (keine humanen RCTs oder Interventionsstudien am Menschen). Die Aussage, dass Koffein mTOR hemmt, ist über mehrere unabhängige Zellstudien hinweg konsistent, jedoch ist die klinische Relevanz für normalen Kaffeekonsum beim Menschen nicht belegt.