Wirkt Spermidin wirklich gegen das Altern?
Spermidin zeigt in einer kleinen Studie mit älteren Menschen einen messbaren Effekt auf das Immunsystem. Ob es das Altern tatsächlich verlangsamt, wissen wir erst, wenn die laufenden großen Studien abgeschlossen sind.
Spermidin steckt von Natur aus in Weizenkeimen, Käse und Hülsenfrüchten. Mit zunehmendem Alter sinkt der Spermidin-Spiegel im Körper. Forschende fragen sich, ob man das mit einem Nahrungsergänzungsmittel ausgleichen kann und ob das irgendetwas bringt.
Der konkreteste Hinweis aus Studien am Menschen stammt aus einer einzigen kleinen Untersuchung mit 40 älteren Erwachsenen. Sie nahmen 13 Wochen lang täglich 6 mg Spermidin oder ein Scheinpräparat. Bei Teilnehmenden, die nach ihrer dritten Corona-Impfung kaum Antikörper gebildet hatten, verbesserte sich diese Reaktion messbar. Bei Menschen, die ohnehin gut auf die Impfung angesprochen hatten, war kein solcher Effekt zu sehen.
Dieselbe Studie zeigte auf Zellebene, dass Alterungszeichen in weißen Blutkörperchen zurückgingen. Das sind Befunde an Zellen, kein Beleg dafür, dass derselbe Effekt im ganzen Körper auftritt. Hinzu kommt: Zwei der Hauptautoren beraten Unternehmen, die Spermidin verkaufen.
Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Altern von Fettgewebe laufen derzeit größere Studien, die jedoch noch keine Ergebnisse veröffentlicht haben. Ob Spermidin in diesen Bereichen wirkt, ist damit offen. Bei Alzheimer gibt es vorsichtigen Optimismus, der sich aber fast ausschließlich auf Zell- und Tierversuche stützt.
Spermidin als allgemeines Mittel gegen das Altern zu empfehlen lässt sich derzeit nicht belegen. Die Befunde zum Immunsystem sind am greifbarsten, stammen aber aus einer einzigen kleinen Studie, bei der zwei Hauptautoren wirtschaftliche Interessen haben. Die größeren Studien müssen erst noch berichten.
Diese Antwort stützt sich auf eine einzige kleine Pilotstudie am Menschen (40 Teilnehmende, 65+), zwei veröffentlichte Studienplanungen ohne Ergebnisse sowie eine zusammenfassende Analyse, die selbst einräumt, größtenteils auf Labor- und Tierversuchen zu beruhen. Bei der Pilotstudie haben zwei Hauptautoren wirtschaftliche Interessenkonflikte. Es gibt keine abgeschlossenen Studien am Menschen, die Lebensdauer, Sterblichkeit oder geistige Leistungsfähigkeit als Zielgrößen untersuchen. Die Evidenzlage beim Menschen ist daher schmal und teilweise durch Interessenkonflikte verzerrt; die größeren unabhängigen Studien laufen noch.
Ist Spermidin aus der Ernährung genauso wirksam wie ein Nahrungsergänzungsmittel?
Es gibt keinen Beleg dafür, dass ein Spermidin-Supplement dasselbe bewirkt wie Spermidin aus der Ernährung. Der Körper neutralisiert Supplemente möglicherweise, und die wirksame Dosis beim Menschen ist unbekannt. Wer mehr Spermidin aufnehmen möchte, greift am besten zu spermidinreichen Lebensmitteln.
Wirkt Taurin gegen das Altern?
Taurin zeigt beim Menschen messbare Verbesserungen bei Blutzucker, Blutdruck und Entzündungswerten. Ob es auch die Lebensdauer oder das biologische Alter direkt beeinflusst, wurde am Menschen noch nicht untersucht; diese Hinweise stammen bislang aus Tierversuchen.
Funktioniert Stammzelltherapie gegen das Altern beim Menschen?
Bei gebrechlichen älteren Menschen hat eine Stammzelltherapie in einer Studie eine bedeutsame Verbesserung der Gehfähigkeit gezeigt. Die meisten anderen Anwendungen beim Menschen stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung.
Hat es Sinn, Resveratrol gegen das Altern einzunehmen?
Studien zeigen, dass Resveratrol beim Menschen den Mechanismus hinter der Anti-Aging-Theorie nicht auslöst. Für die Muskelfunktion bei sportlich aktiven älteren Menschen gibt es schwache Hinweise, die Evidenzlage ist aber gering.
Was wissen wir wirklich über Metformin gegen das Altern?
Bei Menschen mit Diabetes zeigt Metformin klare gesundheitliche Vorteile. Ob es bei gesunden Menschen das Altern verlangsamt, klärt eine laufende Studie.
Was wissen wir über Rapamycin als Mittel gegen das Altern beim Menschen?
Rapamycin zeigt beim Menschen messbare Verbesserungen bei Immunfunktion und zellulären Alterungsmarkern. Ob es die Lebensdauer verlängert oder das Altern tatsächlich verlangsamt, ist bisher nicht belegt.