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Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mundbakterien und der Entstehung von Alzheimer?

Ja · Vorläufige Evidenz

Es gibt einen statistischen Zusammenhang zwischen schlechter Zahnfleischgesundheit und einem erhöhten Alzheimerrisiko, doch Ursache und Wirkung sind noch nicht eindeutig geklärt. Da gute Mundgesundheit ohnehin keine Nachteile hat, ist regelmäßiger Zahnarztbesuch der konkreteste Schritt, den du jetzt schon unternehmen kannst.

Schlechte Zahnfleischgesundheit und Zahnverlust gehen mit einem rund 20 Prozent höheren Risiko für kognitiven Abbau und Demenz einher. Das zeigt eine Metaanalyse von 47 Longitudinalstudien. Die Gesamtqualität der Evidenz war allerdings gering: Die Studien unterschieden sich stark voneinander, und das Risiko umgekehrter Kausalität ist real. Alzheimerpatienten vergessen nämlich ihre Puthroutine, weshalb schlechte Mundgesundheit auch eine Folge der Erkrankung sein kann statt deren Ursache.

Eine bestimmte Mundbakterie, P. gingivalis, taucht in mehreren Studien als Verdächtige auf. Post-mortem-Hirngewebe von Alzheimerpatienten enthielt diese Bakterie, und die Menge der giftigen Enzyme (Gingipains), die sie produziert, hing mit der Schwere der charakteristischen Eiweißablagerungen im Gehirn zusammen. In Mausversuchen führte eine Infektion über den Mund zur Hirnkolonisierung und zu gesteigerter Amyloidproduktion. Ein systematisches Review von 23 Studien bestätigt dieses Muster. Wichtig: Beim Menschen ist Kausalität noch nicht belegt, und eine der frühen Publikationen zu Gingipains stammt von Forschenden, die mit einem Pharmaunternehmen verbunden waren, das ein kommerzielles Interesse an den Ergebnissen hatte.

Eine observationelle Kohortenstudie mit 60 Alzheimerpatienten stellte fest, dass Teilnehmende mit Zahnfleischentzündung zu Studienbeginn in einem Kognitionstest über sechs Monate sechsmal schneller abbauten. Dieser Zusammenhang ging mit erhöhten Entzündungswerten im Blut einher. Es handelt sich um eine einzelne kleine Studie über lediglich sechs Monate, sodass der Befund in größeren Gruppen repliziert werden muss.

Mehrere Reviews beschreiben, wie Bakterien oder ihre Stoffwechselprodukte über die Blutbahn oder entlang von Nervenbahnen das Gehirn erreichen und dort Entzündungen auslösen können. Dieser Mechanismus ist biologisch plausibel, doch große klinische Studien beim Menschen, die zeigen, dass eine Zahnfleischbehandlung Alzheimer verlangsamt oder verhindert, fehlen bislang. Forschende fordern solche klinischen Studien ausdrücklich ein.

Die Belege
8 Studien · 1 Meta-Analysen

Basierend auf einer Metaanalyse/einem systematischen Review (PMID 36073186), zwei systematischen Reviews (PMID 34501899, 34698406), drei narrativen Reviews (PMID 32701930, 33164225, 35244967), einer nicht näher indizierten Studie (PMID 30746447) und einer multizentrischen klinischen Kohortenstudie (PMID 26963387). Keine randomisierten kontrollierten Studien verfügbar.

Zuletzt geprüft: August 2026 · wie das beurteilt wurde
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