Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mundbakterien und der Entstehung von Alzheimer?
Der Zusammenhang zwischen Mundbakterien und Alzheimer ist konsistent, eine bewiesene Ursache-Wirkungs-Beziehung beim Menschen fehlt aber. Gute Mundpflege ist sinnvoll, einen gesicherten Schutz gegen das Altern des Gehirns bietet sie nicht.
P. gingivalis, das Leitbakterium bei Zahnfleischentzündungen, wurde im Hirngewebe von Menschen nachgewiesen, die an Alzheimer gestorben sind. Eine Auswertung von 16 Studien zeigte: Waren Mundbakterien im Gehirn nachweisbar, war das Alzheimer-Risiko mehr als zehnfach erhöht. Für P. gingivalis allein betrug dieser Faktor etwa sechs. Die giftigen Enzyme dieser Bakterie, sogenannte Gingipaine, korrelierten dabei mit typischen Alzheimer-Veränderungen im Hirngewebe.
Alzheimer-Patienten weisen außerdem eine geringere Vielfalt an Mundbakterien auf als Menschen mit gesunder Gedächtnisfunktion. Dieser Befund taucht in mehreren klinischen Studien konsistent auf. Bislang handelt es sich dabei um statistische Zusammenhänge, keine nachgewiesene Ursache-Wirkungs-Beziehung beim Menschen.
Tier- und Laborstudien liefern biologisch plausible Mechanismen. Bei Mäusen führte wiederholter Kontakt mit P. gingivalis zur Besiedlung des Gehirns, erhöhter Produktion von Beta-Amyloid (dem Grundbaustein der Alzheimer-Plaques), stärkerer Entzündungsaktivität im Gehirn und nachlassender Denkleistung. In Zellversuchen mit menschlichen Gehirnzellen lösten Bestandteile der Bakterienwand Entzündungsreaktionen, Amyloid-Bildung und Schäden an den Zellkraftwerken aus. Eine Hypothese lautet, dass kleine Bläschen, die die Bakterie absondert, die Blut-Hirn-Schranke überwinden können.
Gingipain-Hemmer reduzierten in Mausstudien die bakterielle Besiedlung des Gehirns und schützten Nervenzellen. Bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Erkrankung zeigte ein solcher Wirkstoff jedoch keinen messbaren Effekt auf die Kognition. Das ist ein ernstzunehmender Dämpfer für diesen Therapieansatz. Auch ob konsequente Mundpflege Alzheimer vorbeugen kann, ist klinisch nicht bewiesen. Angesichts des Zusammenhangs und des fehlenden Risikos lohnt sich gute Mundhygiene trotzdem, nur sollte man sie nicht als bewiesenen Schutz gegen Alzheimer verstehen.
Evidenz aus einer Auswertung von 16 Studien, mehreren weiteren Untersuchungen, Tier- und Zellstudien sowie einer klinischen Studie mit einem Gingipain-Hemmer. Die Zusammenhänge sind konsistent; Kausalität beim Menschen ist nicht belegt.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen verändertem Körpergeruch und Alzheimer?
Ob Alzheimer den eigenen Körpergeruch verändert, dazu machen die vorliegenden Studien keine Aussage. Gut dokumentiert ist dagegen, dass Alzheimerpatienten früh im Krankheitsverlauf ihr Riechvermögen verlieren und dass anhaltender Riechverlust ein Grund ist, das ärztlich abklären zu lassen.
Schützt ein tägliches Multivitaminpräparat das Gedächtnis im Alter?
Ein tägliches Multivitaminpräparat kann das Gedächtnis bei älteren Menschen mit Risiko für Nährstoffmängel oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Vorgeschichte schützen. Für gut ernährte ältere Menschen ist dieser Vorteil bislang nicht überzeugend belegt.
Erhöht Depression das Risiko, an Demenz zu erkranken?
Depression hängt stark mit einem erhöhten Demenzrisiko zusammen – ob sie Demenz verursacht oder manchmal ein frühes Anzeichen davon ist, bleibt offen. Da eine Behandlung das Risiko offenbar senkt, lohnt es sich, depressive Beschwerden ernst zu nehmen und mit einem Arzt zu besprechen.
Was sagt die Forschung über den Zusammenhang zwischen Lithium und Gedächtnis?
Lithium verlangsamt den kognitiven Abbau bei leichten Gedächtnisproblemen und früher Alzheimer-Erkrankung. Bei gesunden Menschen gibt es keinen Beleg für eine Gedächtnisverbesserung. Nimmst du Lithium wegen einer psychiatrischen Erkrankung, sprich mögliche Gedächtnisbeschwerden mit deiner behandelnden Person an, denn diese hängen häufig mit deiner Stimmung zusammen und nicht mit dem Medikament selbst.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen deinen Hormonen und dem Demenzrisiko im späteren Leben?
Es gibt belastbare Hinweise, dass Schilddrüsen-, Geschlechts- und Stresshormone alle zum Demenzrisiko beitragen, doch kausale Belege fehlen weitgehend.
Lässt sich Demenz durch den Lebensstil verhindern?
Der Lebensstil beeinflusst das Demenzrisiko messbar: Ein Drittel aller Fälle hängt mit veränderbaren Faktoren wie Bewegung, Blutdruck und Rauchen zusammen. Wer bereits ein erhöhtes Risiko hat, profitiert besonders davon, mehrere Stellschrauben gleichzeitig anzugehen.