Hilft regelmäßige Bewegung gegen diese schleichende chronische Entzündung?
Regelmäßiges moderates Training senkt Entzündungsmarker wie CRP und IL-6 nachweisbar; zu intensive Belastung kann diesen Effekt umkehren. Drei- bis fünfmal pro Woche moderate Bewegung ist daher die am besten belegte Wahl.
Moderates, regelmäßiges Training senkt die beiden am häufigsten gemessenen Entzündungsmarker CRP und IL-6 nachweisbar. In einer Kohorte von über tausend älteren Männern gingen je zehn zusätzliche Minuten moderater bis intensiver Bewegung pro Tag mit 3 bis 6 Prozent niedrigeren Werten dieser Stoffe einher. Nach zwölf Wochen kombiniertem Ausdauer- und Krafttraining, dreimal pro Woche, erreichten zuvor inaktive Teilnehmer aller Altersgruppen das CRP-Niveau von Menschen, die schon lange regelmäßig trainierten.
Der Mechanismus dahinter ist gut beschrieben. Muskelgewebe produziert unter Belastung einen Botenstoff, der die Bildung des entzündungsfördernden Signalstoffs TNF-alfa hemmt und gleichzeitig entzündungshemmende Signale auslöst. Muskeln wirken damit wie ein hormonähnliches Organ, das stille Entzündungsprozesse aktiv bremst. Forschende verbinden das mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Intensität ist dabei entscheidend. Sechs Wochen moderates Ausdauertraining senkten TNF-alfa und depressive Beschwerden bei Studierenden. Hochintensives Intervalltraining verbesserte zwar die Stimmung, trieb TNF-alfa und IL-6 im Vergleich zur moderaten Gruppe jedoch in die Höhe und erhöhte das subjektiv empfundene Stressniveau. Auch eine einzelne, sehr anstrengende Einheit zeigte kaum einen messbaren entzündungshemmenden Effekt. Zu intensives Training hilft also nicht und kann sogar das Gegenteil bewirken.
Wer sich wenig bewegt oder viel sitzt, verschlechtert die Ausgangslage. Mehr Sitzzeit hängt mit höheren IL-6- und CRP-Werten zusammen, selbst wenn man die Bewegungsminuten gesondert berücksichtigt. Anhaltende Inaktivität begünstigt die Ansammlung von Entzündungszellen im Fettgewebe, was langfristig zu Arterienverkalkung, Muskelschwund und anderen altersbedingten Erkrankungen beiträgt. Dieser Befund zieht sich konsistent durch mehrere Studien; die Längsschnittanalysen einer Kohortenstudie waren allerdings weniger eindeutig, vermutlich wegen zu geringer statistischer Aussagekraft.
Bei Menschen mit chronisch entzündlichen rheumatischen Erkrankungen ist das Bild weniger klar. Biologisch ist es plausibel, dass Bewegung auch dort hilft, doch gezielte Belege fehlen weitgehend, und welche Dosis und Intensität für diese Gruppe optimal sind, lässt sich derzeit nicht sagen. Hast du eine chronisch entzündliche Erkrankung, sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Physiotherapeutin ab, welches Bewegungsprogramm zu dir passt.
Basiert auf zwei Reviews, drei nicht näher indizierten Kohortenstudien oder kleineren Studien sowie zwei weiteren Reviews. Eine Metaanalyse liegt nicht vor. Die Längsschnittanalysen einer Kohortenstudie stimmten nicht mit den Querschnittsbefunden überein.