Ist Spermidin aus der Ernährung genauso wirksam wie ein Nahrungsergänzungsmittel?
Es gibt bislang keine Studie, die Nahrungsspermidin direkt mit Nahrungsergänzungsmitteln vergleicht, und bei Letzteren ist noch unklar, ob die Substanz überhaupt zuverlässig ins Blut gelangt. Wer Spermidin aufnehmen möchte, fährt mit spermidinreicher Ernährung, etwa Weizenkeimen und Hülsenfrüchten, vorerst am sinnvollsten.
Spermidin aus der Ernährung ist in Beobachtungsstudien mit niedrigerem Blutdruck, weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und besseren kognitiven Werten im Alter verbunden. Das sind ermutigende Zusammenhänge, aber kein Beweis dafür, dass Spermidin selbst die Ursache ist. Nahrungsquellen wie Weizenkeime, Pilze und Hülsenfrüchte liefern Spermidin zusammen mit Dutzenden anderer Substanzen, und es ist kaum herauszufinden, was genau den Effekt bewirkt.
Das große Fragezeichen bei Nahrungsergänzungsmitteln ist die Aufnahme ins Blut. In einer kleinen Studie mit fünf gesunden Männern stieg der Spermidingehalt im Blut nach der Einnahme eines Spermidin-Nahrungsergänzungsmittels überhaupt nicht messbar an. Das ist ein ernstes Signal: Wenn die Substanz nicht ins Blut gelangt, ist fraglich, ob sie in den Geweben wirkt. Dieselbe Studie beobachtete zwar weniger Entzündungsmarker im Blut, aber das Nahrungsergänzungsmittel enthielt mehrere Stoffe gleichzeitig, sodass Spermidin allein dafür nicht verantwortlich gemacht werden kann.
Tierversuche zeigen, dass Spermidin die zelluläre Selbstreinigung (Autophagie) aktiviert und das Herz vor Alterung und hohem Blutdruck schützt. Das ist biologisch plausibel und konsistent, bleibt aber Tierforschung. Ob sich dieser Effekt beim Menschen über ein Nahrungsergänzungsmittel reproduzieren lässt, ist nicht belegt.
Interessant ist, dass Darmbakterien selbst ebenfalls Spermidin produzieren. Bestimmte Bakterien und Hefen stellen Spermidin im Darm her und beeinflussen so die Darmwand. Ob sich das Darmmikrobiom durch Probiotika gezielt steuern lässt, um mehr Spermidin zu erzeugen, wurde beim Menschen noch nicht systematisch untersucht.
Ein direkter Vergleich zwischen Nahrungsspermidin und Nahrungsergänzungsmitteln existiert schlicht nicht. Reviews kommen zu dem Schluss, dass größere, gut konzipierte Studien nötig sind, um Bioverfügbarkeit, Wirksamkeit und optimale Dosierung zu bestimmen. Spermidin gilt vorläufig als sicher, doch formale Sicherheitsdaten aus großen Studien fehlen noch.
Keine direkte Vergleichsstudie verfügbar. Die Grundlage bilden Beobachtungsstudien am Menschen, eine kleine Pilotstudie (n=5) mit Nahrungsergänzungsmitteln, Tierversuche und Reviews. Die Gesamtzahl der Teilnehmer in Humanstudien ist sehr begrenzt.