Ist starkes Schnarchen gefährlich für meine Gesundheit?
Starkes Schnarchen ist mit ernsten Gesundheitsrisiken verbunden: Arteriosklerose, erhöhte Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt und gefährliche Tagesschläfrigkeit. Wer regelmäßig laut schnarcht und sich tagsüber müde fühlt, sollte das ärztlich abklären lassen.
Starkes Schnarchen ist mehr als ein nächtliches Ärgernis. In einer Studie wiesen 64 % der starken Schnarcher Verkalkungen der Halsschlagader auf, verglichen mit nur 20 % der leichten Schnarcher. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung von Alter, Rauchen und Bluthochdruck bestehen. Starkes Schnarchen ist damit ein eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.1
Die Herzrisiken gehen über Gefäßverkalkung hinaus. Unter 1660 Patienten nach einem ersten Herzinfarkt starben starke Schnarcher innerhalb von 28 Tagen mehr als dreimal so häufig wie Nicht-Schnarcher. Dieser Befund hielt stand, nachdem Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen herausgerechnet wurden. Chronisches starkes Schnarchen hängt außerdem mit Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall und erhöhtem Blutdruck zusammen.2,3
Auch tagsüber macht sich das bemerkbar. Gewohnheitsmäßige Schnarcher sind laut einer Bevölkerungsstudie mit 1186 Teilnehmenden fast sechsmal so häufig gefährlich schläfrig in aktiven Situationen. Eine schwedische Studie mit zehn Jahren Nachbeobachtung zeigte, dass männliche starke Schnarcher doppelt so häufig Arbeitsunfälle erlitten; bei Frauen war es mindestens dreimal so oft. Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und Depressionen gehören zum breiteren Bild eines unbehandelten Schlafapnoe-Syndroms.4,5
Weniger Alkohol zu trinken hilft nachweislich. Sowohl eine große britische Genstudie (über 383.000 Teilnehmende) als auch eine chinesische Kohortenstudie (über 11.000 Teilnehmende) zeigen, dass jedes zusätzliche Glas pro Tag das Schnarchrisiko um rund 14 % erhöht. Starke Trinker schnarchen 38 % häufiger als Nicht-Trinker. Das genetische Studiendesign liefert hier stärkere Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang als reine Beobachtungsdaten: Weniger trinken kann also tatsächlich etwas bewirken.6,7
Bist du tagsüber schläfrig oder hast du andere Beschwerden? Internationale Leitlinien empfehlen dann eine vollständige Schlafdiagnostik, um ein Schlafapnoe-Syndrom auszuschließen. Die Standardbehandlung bei gesicherter Schlafapnoe ist die Überdruckbeatmung (CPAP), bei der eine Maske die Atemwege nachts offenhält. Bitte deinen Arzt um eine Überweisung in ein Schlaflabor.8
Alle Aussagen stützen sich auf die angegebenen Studien (PMID 18788645, 18548824, 8143553, 10573247, 10901116, 38233469, 33183388, 26410986). Es handelt sich überwiegend um Beobachtungs- und Assoziationsstudien. Für den Zusammenhang mit Alkohol liefert ein genetisches Studiendesign stärkere Hinweise auf Kausalität. Ob starkes Schnarchen selbst ursächlich für Herz-Kreislauf-Schäden ist, gilt als wahrscheinlich, wurde aber bislang nicht in randomisierten Studien abschließend belegt.