Lebst du länger, wenn du scharf isst?
Wer regelmäßig scharf isst, stirbt statistisch seltener früh, ob das Scharfessen dafür verantwortlich ist, bleibt offen. Bei Magenkrebs gilt: Eine geringe Menge ist möglicherweise günstig, viel davon kann schaden. Maß halten ist also sinnvoll.
Wer täglich scharf isst, hat statistisch seltener einen frühen Tod. In einer großen chinesischen Bevölkerungsstudie mit über 487.000 Menschen starben Personen, die täglich scharfes Essen zu sich nahmen, 14 % seltener als Menschen, die das weniger als einmal pro Woche taten. Eine amerikanische Studie kam auf einen ähnlichen Wert für regelmäßige Esser roter Chilischoten: 13 % geringeres Sterberisiko über einen Beobachtungszeitraum von knapp neunzehn Jahren. Vier große Bevölkerungsstudien aus den USA, China, Italien und dem Iran zusammen bestätigten dieses Bild: 12 % weniger Todesfälle insgesamt und sogar 18 % weniger Herztode bei Menschen, die regelmäßig scharf essen.
Das sind Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen. Es ist gut möglich, dass Menschen, die viel Scharfes essen, auch in anderer Hinsicht gesünder leben. Gleichzeitig gibt es eine nachvollziehbare Erklärung: Der Wirkstoff Capsaicin scheint sich günstig auf Körpergewicht, Blutdruck und Blutzucker auszuwirken. Bei Personen, die Alkohol trinken, war der positive Zusammenhang schwächer als bei Nichttrinkern.
Auch beim Körpergewicht zeigt sich ein interessantes Muster. Wer mehr Chili aß, hatte seltener Übergewicht – und zwar umso deutlicher, je mehr Chili jemand zu sich nahm: Je mehr Chili, desto geringer das Risiko für starkes Übergewicht. Wer mehr als 50 Gramm pro Tag aß, hatte ein 27 % geringeres Risiko für Übergewicht oder Fettleibigkeit.
Bei Krebs gibt es einen wichtigen Vorbehalt. Wenig Chilischote zu essen scheint das Risiko für Magenkrebs zu senken, viel davon könnte es dagegen erhöhen. Viele Studien zusammen zeigen außerdem einen Zusammenhang zwischen häufigem Scharfessen und mehr Speiseröhren-, Magen- und Gallenblasenkrebs. Das steht im Widerspruch zu den positiven Effekten auf Sterblichkeit und Herzgesundheit und macht das Gesamtbild deutlich vielschichtiger.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere große Bevölkerungsstudien mit zusammen mehr als 500.000 Menschen sowie auf eine übergreifende Auswertung mehrerer Zusammenfassungen von Studien zum Krebsrisiko. Die Zusammenhänge zur Sterblichkeit sind über Länder und Studien hinweg auffällig einheitlich, aber niemand wurde zufällig einer „scharf essenden" Gruppe zugeteilt, weshalb Ursache und Wirkung nicht bewiesen sind. Das Krebsrisiko stammt aus einem weniger gut untersuchten Teilbereich: Die Autoren der übergreifenden Auswertung stufen ihre eigene Evidenzlage als gering und widersprüchlich ein. Der Mechanismus über Capsaicin ist plausibel, wurde aber beim Menschen noch nicht als Ursache nachgewiesen.
Hilft weniger essen dabei, länger zu leben?
Bei Versuchstieren ist der Effekt auf die Lebensdauer gut belegt, bei gesunden Menschen fehlt jedoch ein direkter Beweis. Ein maßvolles und dauerhaft umsetzbares Essmuster ist klüger als extreme Restriktion; besprich größere Änderungen deiner Ernährung mit einer Ernährungsfachkraft oder einem Arzt.
Spielt der Zeitpunkt deiner Mahlzeiten eine Rolle für deine Lebenserwartung?
Der Zeitpunkt deiner Mahlzeiten hängt mit biologischem Altern und Sterblichkeit zusammen, ein Ursache-Wirkungs-Nachweis fehlt jedoch. Früh essen, ein nächtliches Fastenfenster von mindestens 13 Stunden und ein regelmäßiges Essmuster erscheinen auf Basis des aktuellen Wissensstands als die günstigsten Optionen.
Lebst du länger, wenn du mediterran isst?
Wer sich konsequent mediterran ernährt, stirbt im Schnitt seltener früh. Das stärkste Signal zeigt sich bei älteren Menschen und bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem ist dieses Ernährungsmuster sicher und lässt sich breit anwenden.
Leben Vegetarier und Menschen mit pflanzenbasierter Ernährung länger?
Eine qualitativ gute pflanzenbasierte Ernährung hängt mit geringerer Frühsterblichkeit zusammen. Strikt vegetarisch oder vegan zu essen ist aber nicht belegt besser als eine abwechslungsreiche Kost, die gelegentlich Fleisch oder Fisch einschließt.
Sind Hülsenfrüchte gut fürs gesunde Altern?
Viele große Studien am Menschen zeigen konsistent in dieselbe Richtung: Wer mehr Hülsenfrüchte isst, hat ein geringeres Sterberisiko. Für die meisten Menschen ist eine tägliche Portion Hülsenfrüchte gut untermauert. Ältere Menschen achten dabei am besten zusätzlich darauf, insgesamt genug Eiweiß aufzunehmen.
Welche Ernährungsweise ist am besten belegt für ein langes, gesundes Leben?
Wer über die Ernährung gezielt in ein langes, gesundes Leben investieren möchte, fährt mit der mediterranen Ernährung derzeit am besten: Große Humanstudien zeigen konsistent positive Effekte, sowohl auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit als auch auf die kognitive Leistungsfähigkeit.