Senkt Kaffee das Risiko, frühzeitig zu sterben?
Kaffee (2 bis 4 Tassen täglich, am besten morgens und ohne viel Zucker) hängt mit einem niedrigeren Risiko zusammen, vorzeitig zu sterben – das ist jedoch eine Korrelation, kein bewiesener Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Schwangere sollten auf Kaffee besser verzichten.
Wer täglich 2 bis 4 Tassen Kaffee trinkt, hat laut mehreren großen Metaanalysen ein etwa 15 bis 17 % niedrigeres Risiko, vorzeitig zu sterben, als Menschen, die gar keinen Kaffee trinken. Das niedrigste Risiko liegt bei rund 3,5 Tassen pro Tag. Dieser Zusammenhang gilt unabhängig von Alter, Gewicht und Raucherstatus – und er tritt auch bei koffeinfreiem Kaffee auf.
Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sieht es ähnlich aus. Kaffeetrinker haben ein 17 bis 19 % niedrigeres Sterberisiko durch Herzinsuffizienz und Schlaganfall. Auf Herzrhythmusstörungen und Blutdruck scheint Kaffee neutral zu wirken. Bei Krebs ist der schützende Effekt kleiner: Bei 2 Tassen täglich deuten die Daten auf einen Rückgang der Krebssterblichkeit von etwa 4 % hin.
Auch der Zeitpunkt des Kaffeetrinkens könnte eine Rolle spielen. Eine US-amerikanische Studie mit über 40.000 Teilnehmenden zeigte, dass Menschen, die Kaffee vor allem morgens trinken, ein 16 % niedrigeres Gesamtsterblichkeitsrisiko und sogar ein 31 % niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Sterblichkeit hatten als Nicht-Kaffeetrinker. Wer den ganzen Tag über Kaffee trank, zeigte diesen Vorteil nicht. Bisher ist das eine einzelne Studie, die noch unabhängig bestätigt werden muss.
Wie du deinen Kaffee zubereitest, spielt ebenfalls eine Rolle. Schwarzer Kaffee und Kaffee mit wenig Zucker gehen mit dem Schutzeffekt einher. Bei stark gesüßtem Kaffee oder Getränken mit sahnigen Zusätzen verschwindet dieser Vorteil bei höherem Konsum.
Es gibt klare Ausnahmen. In der Schwangerschaft ist hoher Kaffeekonsum nicht unbedenklich: Er erhöht das Risiko für niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburt und Fehlgeburt deutlich. Bei Frauen gibt es außerdem Hinweise, dass Kaffee das Knochenbruchrisiko erhöht, bei Männern fehlt dieses Signal. Koffein kann zudem Angstgefühle, Schlafprobleme, Herzrasen und einen vorübergehenden Blutdruckanstieg auslösen. Alle vorliegenden Daten stammen aus Beobachtungsstudien, bei denen niemand zufällig einer Gruppe zugeteilt wurde. Ob Kaffee selbst die Ursache für ein längeres Leben ist, lässt sich daraus nicht ableiten.
Evidenz aus mehreren Metaanalysen und großen Kohortenstudien (bis zu knapp 4 Millionen Teilnehmende); randomisierte Studien zu Sterblichkeitsendpunkten existieren nicht. Kausalität ist nicht belegt.