Stimmt es, dass Beschneidung vor Peniskrebs und HPV schützt?
Beschneidung vor dem Erwachsenenalter senkt das Risiko für invasiven Peniskrebs und Hochrisiko-HPV. Peniskrebs ist in westlichen Ländern jedoch selten, und HPV-Impfung, Kondomgebrauch sowie Nichtrauchen bieten vergleichbaren oder ergänzenden Schutz.
Genitale Warzen in der Vorgeschichte erwiesen sich in einer Fall-Kontroll-Studie als stärkster einzelner Risikofaktor für Peniskrebs: Das Risiko war fast sechsmal so hoch. In knapp der Hälfte der untersuchten Penistumoren wurde HPV-DNA nachgewiesen, davon siebzig Prozent vom Hochrisiko-Typ 16. Rauchen verdreifachte das Risiko beinahe. Beschneidung ist also nicht der einzige Schutzfaktor, und ihr Fehlen ist nicht der einzige Risikofaktor.
Ein systematisches Review mit Metaanalyse aus sieben Fall-Kontroll-Studien fand einen Schutzeffekt der Beschneidung vor dem Erwachsenenalter gegenüber invasivem Peniskrebs: Das Risiko lag etwa zwei Drittel unter dem unbeschnittener Männer. In zwei dieser Studien verschwand dieser Effekt jedoch, sobald Phimose berücksichtigt wurde, also die Verengung der Vorhaut, die ein Zurückziehen verhindert. Das deutet darauf hin, dass der Schutz zumindest teilweise dadurch entsteht, dass Beschneidung Phimose verhindert, nicht durch den Eingriff an sich. Für frühe, nicht-invasive Formen von Peniskrebs fand dieselbe Metaanalyse kaum Hinweise darauf, dass Beschneidung hilft.
Beschneidung im Erwachsenenalter war in der Metaanalyse eher mit einem höheren Risiko für invasiven Peniskrebs assoziiert, allerdings ist dieses Ergebnis statistisch nicht signifikant. Eine naheliegende Erklärung: Männer, die erst später beschnitten werden, haben häufig bereits bestehende Penisbeschwerden, die selbst das Risiko erhöhen.
Am stärksten belegt ist der Schutz vor HPV. In einem großen randomisierten kontrollierten Versuch mit über fünftausend Teilnehmern in Afrika betrug die Häufigkeit von Hochrisiko-HPV nach zwei Jahren achtzehn Prozent bei beschnittenen Männern gegenüber achtundzwanzig Prozent bei unbeschnittenen. Dieselbe Studie zeigte auch eine geringere Rate genitaler Herpes-Infektionen. Gegen Syphilis bot Beschneidung keinen nachweisbaren Schutz.
Übersichtsarbeiten betonen, dass routinemäßige Beschneidung allein zur Vorbeugung von Peniskrebs umstritten ist. Peniskrebs ist in westlichen Ländern selten, und Alternativen wie HPV-Impfung, Kondomgebrauch, gute Hygiene und Nichtrauchen bieten ebenfalls Schutz. Die Studien wurden zudem überwiegend in Subsahara-Afrika durchgeführt, was ihre Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen einschränkt.
Evidenz basiert auf: einer Fall-Kontroll-Studie (PMID 8380060), einer Metaanalyse aus sieben Fall-Kontroll-Studien (PMID 21695385), einem randomisierten kontrollierten Versuch (n=5534, PMID 19321868) sowie mehreren Übersichtsarbeiten (PMID 16488287, 18607597, 19647198, 21415378). Der Zusammenhang mit Peniskrebs ist assoziativ; für die HPV-Reduktion liegt ein RCT vor.