Verbessern sich mein Blutdruck und mein Cholesterin spürbar, wenn ich abnehme?
Abnehmen senkt den Blutdruck messbar und verbessert das Cholesterinprofil, wobei der Wert, der am meisten profitiert, vom gewählten Ernährungsmuster abhängt. Kehrt das Gewicht zurück, verschwinden die Vorteile größtenteils wieder.
Abnehmen wirkt sich klar positiv auf den Blutdruck aus. Wer im Schnitt 5 Kilo verliert, kann damit rechnen, dass der systolische Wert um etwa 4 bis 5 mmHg und der diastolische um 3 bis 4 mmHg sinkt. Je mehr Gewicht du verlierst, desto größer ist der Effekt. Kombinierst du das noch mit weniger Salz oder einer DASH- bzw. mediterranen Ernährung, verstärkt sich die Wirkung zusätzlich.1,2
Beim Cholesterin ist das Bild etwas differenzierter. Eine fettarme Ernährung senkt den LDL-Wert am stärksten, im Schnitt um rund 7 mg/dL. Eine kohlenhydratarme Ernährung tut wenig für LDL, hebt aber das HDL leicht an. Bei den meisten Ernährungsformen verbessert ein Gewichtsverlust von 5 bis 10 % den HDL-Wert, wenn auch nur moderat.3
Wie lange diese Verbesserungen anhalten, ist eine ernsthafte Frage. Nach sechs Monaten sind die positiven Effekte gut sichtbar, nach zwölf Monaten sind sie bei den meisten Ernährungsformen jedoch weitgehend verschwunden, wahrscheinlich weil das Gewicht dann zu einem Teil zurückgekehrt ist. Eine Ausnahme bildet die mediterrane Ernährung: deren Vorteile halten länger an.3
Bei Menschen, die medikamentöse Unterstützung beim Abnehmen nutzen, ist die Wirkung auf den Blutdruck gut belegt. Tirzepatid senkte den systolischen Blutdruck nach 72 Wochen um knapp 7 mmHg und den diastolischen um gut 4 mmHg gegenüber Placebo. Etwa 68 bis 71 % dieses Effekts gingen direkt auf das Gewichtsverlust selbst zurück. Semaglutid zeigte ein vergleichbares Bild: Der systolische Wert sank um fast 5 mmHg, und Anwenderinnen und Anwender konnten ihre Blutdruckmedikamente häufiger reduzieren. Zu beachten: Unter Tirzepatid trat ein zu niedriger Blutdruck etwas häufiger auf als unter Placebo, war aber insgesamt selten.4,5,6
Schließlich gibt es einen frühen Hinweis darauf, dass auch der Zeitpunkt der Mahlzeiten eine Rolle spielt. Eine Auswertung von 12 kleinen Studien legt nahe, dass frühes Essen, mit einem Essensfenster am Morgen und frühen Nachmittag, Blutdruck und Insulinsensitivität stärker verbessert als spätes Essen oder kein Zeitfenster. Das ist interessant, aber die Evidenz ist noch vorläufig und muss in größeren Studien bestätigt werden.7
Basiert auf 8 Aussagen mit PMIDs: 28455679, 12975389, 32238384, 39084707, 39217502, 39505584, 36702768. Die zugrunde liegenden Arbeiten umfassen Metaanalysen, große klinische Studien zu Tirzepatid und Semaglutid sowie ein kleineres systematisches Review zu zeitlich begrenztem Essen (12 Studien). Die Blutdruckeffekte sind am stärksten belegt; die Effekte auf das Cholesterin hängen stärker vom Ernährungsmuster ab und sind mäßig evidenzbasiert.