Was ist bei Falten besser belegt: Retinol oder Vitamin C?
Retinol (und erst recht Tretinoin) ist klinisch deutlich besser belegt als Vitamin C. Vitamin C kann eine sinnvolle Ergänzung sein, ist als Faltenmittel aber weit weniger gut bewiesen.
Tretinoin, die wirkstärkste Form von Vitamin A für die Haut, verfügt von allen Faltenbehandlungen über die solideste klinische Datenbasis. In acht randomisierten Studien war eine Konzentration von 0,02 % oder mehr einem Scheinpräparat klar überlegen. Bei 0,05 % Tretinoin war die Wahrscheinlichkeit einer sichtbaren Verbesserung nach 24 Wochen fast doppelt so hoch. Es zeigt sich eine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung: Niedrigere Konzentrationen (0,001 % und 0,01 %) hatten keinen nachweisbaren Effekt. Tretinoin ist in Deutschland nur auf Rezept erhältlich.
Retinol und Retinaldehyd sind rezeptfrei erhältliche Varianten aus derselben Vitamin-A-Familie. Retinaldehyd verbessert die Hautelastizität und wirkt über denselben Mechanismus wie Tretinoin, jedoch milder. Die Evidenz für diese Varianten ist weniger umfangreich als für Tretinoin, dennoch gelten sie als aktive Wirkstoffe.
Nebenwirkungen bei Vitamin-A-Produkten sind real: Rötungen, Trockenheit, Schuppung und ein Brennen sind häufig, besonders in den ersten Wochen. Je höher die Konzentration, desto ausgeprägter die Nebenwirkungen. Es ist sinnvoll, die Anwendung langsam zu steigern und bei empfindlicher Haut mit Retinol oder Retinaldehyd statt direkt mit Tretinoin einzusteigen.
Vitamin C hat eine biologisch plausible Wirkweise: Es regt die Kollagenproduktion an und schützt die Haut durch antioxidative Wirkung, auch in Kombination mit Vitamin E. Klinische Belege für eine direkte Faltenreduktion sind jedoch rar. Nur eine einzige kleine Studie zeigte einen Vorteil gegenüber einem Scheinpräparat. Dermatologen nehmen Vitamin C zwar in ihre Empfehlungen auf, doch die klinische Evidenzlage ist deutlich dünner als die für Retinoide. Hinzu kommt, dass Vitamin C instabil ist: Produkte können sich bereits vor der Anwendung zersetzen, was ihre Wirksamkeit in der Praxis untergräbt.
Basierend auf mehreren randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) für Retinoide (einschließlich einer metaanalyseartigen Zusammenfassung von 8 RCTs) sowie nur einer einzigen kleinen Studie für topisches Vitamin C. Ein Delphi-Konsensus von Dermatologen ist keine klinische Studie.