Was ist DunedinPACE, und was sagt der Test über das Altern aus?
DunedinPACE misst, wie schnell du biologisch alterst, und hängt mit Krankheit und vorzeitigem Tod zusammen. Als klinisches Werkzeug taugt der Test aber noch nicht: Einheitliche Validierungskriterien fehlen, ein routinemäßiger Einsatz ist derzeit nicht gerechtfertigt.
DunedinPACE ist ein Bluttest, der anhand chemischer Markierungen auf der DNA misst, wie schnell du biologisch alterst. Zwei fünfzigjährige Menschen können im Pass identisch wirken und trotzdem völlig unterschiedlich abschneiden: Eine Person altert biologisch, als würde sie pro Jahr nur 0,8 Jahre verbrauchen, eine andere mehr als 1,5-mal so schnell. Der Test liefert bei wiederholten Messungen stabile Werte und sagt mehr über die Gesundheitsentwicklung voraus als andere bekannte Methoden zur Bestimmung des biologischen Alters.
Wer einen hohen DunedinPACE-Wert hat, trägt ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten, Behinderungen und eine kürzere Lebenserwartung. Schon die Vorläuferversion des Tests zeigte, dass schneller alternde Menschen schlechter bei Balance, Ganggeschwindigkeit, Kraft und Gedächtnis abschneiden. Geschulte Beurteiler schätzten sie außerdem älter ein als ihr Kalenderalter. DunedinPACE wird zudem mit Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Hirnerkrankungen in Verbindung gebracht. Das sind aber Zusammenhänge, keine belegten Ursache-Wirkungs-Beziehungen.
Das Alterungstempo, das DunedinPACE erfasst, wird teils durch frühe Lebenserfahrungen geprägt. Menschen, die den niederländischen Hungerwinter 1944–1945 als Ungeborene überlebt hatten, wiesen sechzig Jahre später ein höheres Tempo auf als Gleichaltrige ohne diese pränatale Erfahrung. Bei Frauen war der Effekt stärker ausgeprägt. Auch Widrigkeiten in der Kindheit hängen mit einem höheren Tempo im frühen Erwachsenenalter zusammen. Wie stark frühe Lebensumstände das spätere Tempo tatsächlich steuern, lässt sich auf Basis der vorliegenden Daten noch nicht abschließend beziffern.
Es gibt erste Hinweise, dass sich das Tempo auch verlangsamen lässt. In einer randomisierten Studie zur Kalorienrestriktion bei gesunden Erwachsenen sank das gemessene Alterungstempo bei denjenigen, die weniger aßen. Das Ergebnis ist vorläufig und die Studie zu klein für belastbare Schlüsse, zeigt aber, dass DunedinPACE als Messlatte in Interventionsstudien taugt.
Ein wesentlicher Vorbehalt: Dem Forschungsfeld fehlen bislang einheitliche Kriterien dafür, was ein Alterungsbiomarker messen soll und wie er validiert werden muss. Das macht es schwer, DunedinPACE schon jetzt als klinisches Routinewerkzeug einzusetzen. Als Forschungsinstrument ist der Test vielversprechend, der Weg in die Arztpraxis ist aber noch nicht geebnet.
Basierend auf zwei Studien (PMID 35029144, 32367804, 38833467), drei Reviews (PMID 28544158, 37657418, 37899027) und einer randomisierten Studie (PMID 37118425). Metaanalysen liegen nicht vor. Die Zusammenhänge sind über mehrere Studien hinweg konsistent, Kausalität und klinische Anwendbarkeit sind jedoch noch nicht ausreichend belegt.