Wirkt Plasmaaustausch (Plasmapherese) gegen Alterung?
Es gibt erste, vorsichtig positive Hinweise aus einer einzigen kleinen Studie, die jedoch zu klein und zu sehr durch kommerzielle Interessen beeinflusst ist, um daraus jetzt schon Schlüsse zu ziehen. Warte auf größere, unabhängige Studien, bevor du diese Behandlung in Betracht ziehst.
Blutplasma enthält Stoffe, die Alterungsprozesse offenbar fördern, aber auch solche, die sie bremsen. Tierversuche mit Blutaustausch zeigen, dass sich dadurch Gehirn, Blutgefäße und Immunsystem beeinflussen lassen. Eine große Studie mit mehr als 4.000 Menschen identifizierte 38 Proteine im Blut, die das Demenzrisiko vorhersagen, manchmal schon zwanzig Jahre im Voraus. Das macht die biologische Idee hinter dem Plasmaaustausch nachvollziehbar, beweist aber noch nicht, dass das Entfernen dieser Stoffe tatsächlich etwas bewirkt.
Die einzige randomisierte Studie am Menschen war sehr klein: 42 gesunde Personen über 50. Teilnehmer, die alle zwei Wochen einen Plasmaaustausch plus eine Infusion mit Antikörpern erhielten, schnitten bei fünfzehn verschiedenen Messungen des biologischen Alters besser ab als die Placebogruppe. Das klingt vielversprechend, doch eine so kleine Studie liefert vorläufige Hinweise, keinen Beweis. Hinzu kommt, dass mehrere Hauptautoren Mitgründer eines Unternehmens sind, das wirtschaftlich von dieser Behandlung profitiert. Unabhängige Wiederholungsstudien sind deshalb besonders dringend notwendig.
Zur Sicherheit: In derselben kleinen Studie mussten zwei Teilnehmer wegen Nebenwirkungen abbrechen, wobei einer davon auf die Antikörperinfusion zurückzuführen war. Schwerwiegende Sicherheitsprobleme wurden nicht gemeldet, aber bei so wenigen Teilnehmern lassen sich seltene Nebenwirkungen nicht zuverlässig ausschließen. Plasmaaustausch ist außerdem ein invasiver medizinischer Eingriff, der normalerweise bei schweren Erkrankungen eingesetzt wird.
Bei Leberversagen stabilisierte Plasmaaustausch zwar den Blutdruck, verbesserte aber das Überleben in einer Gruppe von 378 Patienten nicht. Bei einer schweren Bluterkrankung ließ sich der Eingriff sogar durch eine reine Medikamentengabe ersetzen. Das zeigt: Positive Effekte auf Blutwerte oder Biomarker führen nicht automatisch zu echtem Gesundheitsgewinn, selbst nicht bei Erkrankungen, bei denen TPE schon länger eingesetzt wird.
Eine kleine RCT (n=42) bei gesunden älteren Menschen mit kommerziellem Interesse der Autoren; eine Übersichtsstudie zu Tierversuchen; eine große Proteomics-Studie (n=4.110) zu Plasmaproteinen und Demenzrisiko; zwei klinische Studien zu akutem Leberversagen und einer Bluterkrankung (nicht zu Alterung). Tiermodellstudien sind für die klinische Wirksamkeit nicht direkt relevant.