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Wie funktioniert Altern, und wie lässt es sich verlangsamen?

Ja · Moderate Evidenz

Altern ist biologisch gut beschrieben, aber bewährte Mittel, um es beim Menschen tatsächlich zu verlangsamen, gibt es noch nicht. Konzentriere dich vorerst auf das, was funktioniert: regelmäßige Bewegung, proteinreiche Ernährung und konsequentes Vermeiden von Überessen.

Altern verläuft nicht gleichmäßig und kontinuierlich. Eine Studie mit knapp 52.000 Teilnehmenden zeigte, dass die größten Verschiebungen bei Blutproteinen um das 41., 60. und 67. Lebensjahr auftreten. Auf Zellebene häufen sich dabei DNA-Schäden, funktionsgestörte Mitochondrien (die Kraftwerke der Zelle) und Proteinverklumpungen an. Gleichzeitig verändern sich die chemischen Markierungen auf der DNA, die steuern, welche Gene aktiv oder inaktiv sind. Diese Musterveränderungen sind so vorhersehbar, dass sie als eine Art biologische Uhr fungieren, die sogar das Krankheits- und Sterberisiko abschätzen kann.

Eine der sichtbarsten Folgen ist chronische Hintergrundentzündung, auch als ‚Inflammaging‘ bekannt. Der Körper befindet sich gewissermaßen dauerhaft in einem niedrigschwelligen Alarmzustand, ohne dass eine akute Infektion vorliegt. Diese Hintergrundentzündung erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen. Das Darmmikrobiom spielt dabei eine aktive Rolle: Eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien kann entzündungsfördernde Stoffe freisetzen. Auch dauerhaftes Überessen wirkt ähnlich: Ein anhaltender Kalorienüberschuss erzeugt eine vergleichbare Hintergrundentzündung und beschleunigt so den biologischen Alterungsprozess.

Muskelschwund ist eine weitere konkrete Altersfolge. Schätzungsweise 3 bis 24 Prozent der Bevölkerung sind in unterschiedlichem Ausmaß davon betroffen. Die am besten belegte Strategie dagegen ist eine Kombination aus ausreichend hochwertigem Protein, regelmäßiger körperlicher Aktivität und bei Bedarf entzündungshemmenden Maßnahmen. Medikamente, die das Muskelwachstum anregen, etwa bestimmte hormonähnliche Substanzen oder Antikörper gegen Muskelwachstumshemmer, werden zwar erforscht, haben beim Menschen aber noch keinen Wirksamkeitsnachweis.

Die vielversprechendsten Ansätze zur eigentlichen Verlangsamung des Alterns, darunter das partielle ‚Zurückprogrammieren‘ von Zellen in einen jüngeren Zustand, die gezielte Entfernung gealterter Zellen durch sogenannte Senolytika sowie der Blutaustausch zwischen jung und alt, wurden bislang ausschließlich in Tiermodellen erprobt. Der Schritt zum Menschen steht noch fast vollständig aus. Fünf Blutproteine wurden mithilfe genetisch gestützter Analysen als mögliche künftige Wirkstoffziele identifiziert, doch auch das ist weit von einer klinischen Anwendung entfernt. Pflanzenextrakte wie Berberin wurden nur in Computermodellen untersucht und verfügen über keinerlei klinische Evidenz.

Die Belege
8 Studien · ≈ 52.000 Teilnehmer

Die Aussagen stützen sich auf mehrere große Beobachtungs- und Molekularstudien, darunter eine Studie mit knapp 52.000 Teilnehmenden (PMID 40328427), umfassende Reviews zu epigenetischen Mechanismen (PMID 32020082) und Inflammaging (PMID 30046148, 27501488) sowie einen Muskelschwund-Review (PMID 30098424). Experimentelle Anti-Aging-Interventionen stammen überwiegend aus der Tierforschung (PMID 32020082). Computergestützte Aussagen (PMID 37439907) sind ohne klinische Evidenz.

Zuletzt geprüft: September 2026 · wie das beurteilt wurde
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Vorläufige Evidenz

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