Was ist Lp(a) – und kann ich etwas dagegen tun?
Lp(a) ist ein genetisch bedingter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der unabhängig vom LDL-Wert wirkt. Wirksame Behandlungsoptionen fehlen bislang weitgehend, doch vielversprechende neue Wirkstoffe stehen in den Startlöchern.
Lp(a) ist ein Fettpartikel im Blut, ähnlich wie LDL-Cholesterin, aber mit einem zusätzlichen Protein verknüpft. Es erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für die Verkalkung der Aortenklappe. Aus Großstudien mit Hunderttausenden von Teilnehmenden wissen wir, dass dieser Zusammenhang ursächlich ist: Ein hoher Lp(a)-Wert richtet tatsächlich Schaden an. Frauen mit den höchsten Werten hatten nach dreißig Jahren ein 33 % höheres Risiko für ein schwerwiegendes Herz-Kreislauf-Ereignis als Frauen mit den niedrigsten Werten.
Lp(a) ist auch dann gefährlich, wenn dein LDL bereits niedrig ist. Selbst bei gut eingestelltem LDL bleibt ein erhöhtes Lp(a) ein eigenständiger Risikofaktor, weil 70 bis über 90 % deines Lp(a)-Spiegels genetisch festgelegt sind. Lebensstil und Ernährung verändern daran kaum etwas. Weltweit hat etwa jeder Fünfte erhöhte Werte. Menschen mit afrikanischer Herkunft weisen im Durchschnitt die höchsten Werte auf; Frauen nach den Wechseljahren liegen im Schnitt 17 % höher als Männer.
Über den Lebensstil lässt sich Lp(a) kaum beeinflussen. Statine, die am häufigsten eingesetzten Cholesterinsenker, wirken nicht gegen Lp(a). Neuere injizierbare Cholesterinsenker, die sogenannten PCSK9-Hemmer, senken Lp(a) im Schnitt um etwa 27 %. Das ist messbar, aber gering. Ob diese Senkung tatsächlich zu weniger Herz-Kreislauf-Ereignissen führt, blieb in Studien statistisch nicht nachweisbar.
Bei extrem hohem Lp(a) und anhaltenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen trotz optimaler medikamentöser Therapie kommt eine Blutwäsche (Lipoproteinapherese) infrage. Sie entfernt Lp(a) mechanisch, die Datenlage dazu ist jedoch begrenzt. Vielversprechender sind neue RNA-basierte Wirkstoffe wie Pelacarsen und Olpasiran, die Lp(a) in Humanstudien um 65 bis 98 % senken. Zugelassen sind sie noch nicht; die großen Studien, die zeigen sollen, ob das tatsächlich weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle bedeutet, laufen noch.
Mehrere Leitlinien empfehlen, Lp(a) mindestens einmal messen zu lassen, besonders bei erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko, bekannten Herzkrankheiten in der Familie oder familiärer Hypercholesterinämie. Da der Wert so stark genetisch bestimmt ist, verändert er sich kaum über das Leben hinweg, sodass eine einmalige Messung grundsätzlich ausreicht. Es gibt zudem vorläufige Hinweise, dass ein sehr niedriger Lp(a)-Wert möglicherweise mit einem leicht erhöhten Diabetesrisiko zusammenhängt; dazu gibt es bisher jedoch nur begrenzte Daten, und die Frage muss weiter erforscht werden.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere große epidemiologische und genetische Studien (darunter FOURIER mit 25.096 Patienten) sowie auf Konsensusdokumente und Leitlinien (PMIDs 39278229, 36036785, 39216091, 34647487, 33257928, 30586750, 37506332). Die RNA-basierten Wirkstoffe wurden bislang nur in Phase-2- und frühen Phase-3-Studien untersucht; Endpunktstudien laufen noch.
Wie senkt man einen zu hohen ApoB-Wert?
Ein zu hoher ApoB-Wert lässt sich gut behandeln, und es stehen mehrere bewährte Mittel zur Verfügung. Statine sind die erste Wahl; PCSK9-Hemmer bieten die stärkste Senkung, wenn Statine nicht ausreichen oder nicht vertragen werden.
Wie verstopfen zu hohe LDL- oder ApoB-Werte die Arterien?
Zu viele LDL- und ApoB-Partikel setzen eine gut belegte Kettenreaktion in Gang, die Arterien langsam verstopft. Deinen ApoB-Wert bestimmen zu lassen gibt deinem Arzt ein genaueres Bild deines tatsächlichen Risikos als LDL-Cholesterin allein.
Was gilt als gesundes HDL (das „gute Cholesterin"), und lässt es sich erhöhen?
Den HDL-Wert über den Lebensstil zu steigern ist möglich, aber die Gene setzen die Grenzen. Am wirksamsten ist es, die Triglyzeride zu senken – durch weniger Zucker und Alkohol, mehr Bewegung und Gewichtsreduktion.
Für wen ist eine ApoB-Messung sinnvoll?
Eine ApoB-Messung ist für mehr Menschen sinnvoll, als aktuelle Leitlinien nahelegen: nicht nur bei erhöhten Blutfettwerten, sondern auch bei Übergewicht, Diabetes, familiärer Hypercholesterinämie, Frauen nach den Wechseljahren und Personen, die bereits Cholesterinsenker einnehmen.
Ist ApoB wichtiger als normales Cholesterin (LDL)?
ApoB sagt Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgängig besser vorher als LDL-Cholesterin. Wenn du wissen willst, wie hoch dein Risiko wirklich ist, bitte deinen Arzt oder deine Ärztin, ApoB gemeinsam mit dem üblichen Cholesterinpanel zu bestimmen.
Ist Vorhofflimmern gefährlich – und was kann ich dagegen tun?
Vorhofflimmern erhöht das Risiko für Tod, Herzinsuffizienz und Schlaganfall erheblich und erfordert eine aktive Behandlung. Sprich mit deinem Arzt über Blutverdünner zur Schlaganfallvorbeugung und darüber, welche Lebensstiländerungen in deinem Fall sinnvoll sind.