Was macht Creatin mit dem Immunsystem?
Creatin beeinflusst Immunzellen, doch ob sich das positiv oder negativ auswirkt, hängt stark vom Kontext ab. Für gesunde ältere Menschen, die zusätzlich Krafttraining betreiben, gibt es ein vorsichtiges positives Signal. Wer Endometriose hat oder an bestimmten Krebsarten erkrankt ist, bewegt sich in einem komplexeren Umfeld und sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Creatin beeinflusst Immunzellen, aber das Ergebnis ist weder pauschal besser noch schlechter. Der entscheidende Punkt liegt darin, wie Creatin eine bestimmte Immunzellart, die Makrophagen, umschaltet. In Zell- und Tierversuchen wechseln Makrophagen unter Creatineinfluss von einem angreifenden, entzündungsfördernden Verhalten zu einem beruhigenden, auf Gewebereparatur ausgerichteten Verhalten. Ob das nützlich oder schädlich ist, hängt vollständig vom Kontext ab.
Bei älteren Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren senkte Creatin (3 g pro Tag) in Kombination mit Krafttraining die Entzündungsmarker IL-6 und TNF-alfa und verringerte oxidativen Stress. Creatin ohne Training zeigte bereits einen geringeren, aber messbaren Effekt auf TNF-alfa und einen Marker für zellulären Schaden durch freie Radikale. Dies ist das einzige randomisierte Experiment in dieser Auswahl. Zwei Autoren haben finanzielle Verbindungen zum Hersteller des verwendeten Creatins, was diesen Befund mit einem Vorbehalt versieht.
Es gibt auch ungünstigere Kontexte. Bei Frauen mit Endometriose fand man erhöhte Creatinkonzentrationen in Makrophagen des Bauchfells. Dort lenkte Creatin die Makrophagen genau in dieses beruhigende M2-Profil, das Blutgefäßneubildung und Narbengewebe begünstigt und die Erkrankung dadurch offenbar verschlimmerte. Bei Speiseröhrenkrebs wurde dieselbe Umschaltung auf M2-Makrophagen beobachtet, wodurch der Tumor besser vor dem eigenen Immunsystem geschützt war. In Mausmodellen wirkte Creatin anders: Es stärkte die Angriffskraft von zytotoxischen T-Zellen gegen Tumoren und verstärkte die Wirkung von Krebsimmuntherapien. Dazu gibt es bisher nur Mäusedaten.
Creatin pumpt das Immunsystem weder einseitig hoch noch bremst es es einfach aus. Es verschiebt einen spezifischen Schalter in Immunzellen, und ob das Ergebnis positiv oder negativ ausfällt, hängt vom jeweiligen Kontext ab. Gesunde ältere Menschen mit Krafttraining, Endometriose und ein Tumor sind grundlegend verschiedene Situationen. Für den durchschnittlichen gesunden Erwachsenen ist die geringere Entzündungsaktivität bei kombiniertem Einsatz mit Training ein vorsichtiges positives Signal, das sich aber auf eine einzige Studie mit kommerziellem Interessenkonflikt stützt.
Die Evidenzlage stützt sich auf eine Kombination aus Zell- und Tierversuchen, einigen Reviews und einem randomisierten Experiment mit 103 älteren Erwachsenen. Die mechanistischen Erkenntnisse zum Makrophagen-Schalter sind in nicht-menschlichen Studien relativ gut belegt. Das randomisierte Experiment bei Älteren ist das einzige, das Ursache und Wirkung beim Menschen mit einiger Sicherheit zeigen kann, allerdings haben zwei Autoren finanzielle Verbindungen zum Creatinhersteller. Effekte bei Kindern sind kaum untersucht. Die Befunde zu Endometriose und Speiseröhrenkrebs basieren auf Gewebeanalysen, nicht auf experimentellen Studien.