Was macht eine fettreiche Ernährung mit deiner Darmflora?
Eine fettreiche Ernährung bringt die Darmflora deutlich aus dem Gleichgewicht: weniger Bakterienvielfalt, mehr schädliche Arten und eine durchlässige Darmwand, die eine schwelende Entzündung befeuert. Dieser Zusammenhang ist in Tierstudien gut belegt und beim Menschen plausibel, weshalb es sich lohnt, den Fettanteil in der Ernährung im Blick zu behalten.
Eine fettreiche Ernährung, bei der mehr als 40 % der Kalorien aus Fett stammen, verringert die Artenvielfalt der Darmbakterien. Weniger Arten bedeuten ein weniger widerstandsfähiges Darmmikrobiom. Gleichzeitig verschiebt sich das Verhältnis zweier großer Bakteriengruppen: Firmicutes nehmen gegenüber Bacteroidetes zu. Dieses Muster zeigt sich sowohl in Tierstudien als auch beim Menschen, etwa in einem großen Ernährungsdatensatz mit über 3.800 Teilnehmern.
Mit dieser Verschiebung verschwinden schützende Bakterienarten, während potenziell schädliche Arten die Oberhand gewinnen. Forscher nennen das Dysbiose: ein gestörtes Gleichgewicht der Darmflora. Zugleich wird die Darmwand durchlässiger, der sogenannte Leaky-Gut-Effekt. Giftige Bakterienprodukte gelangen dann ins Blut und lösen eine schwelende, chronische Entzündung im gesamten Körper aus. Diese als metabolische Endotoxämie bekannte Reaktion gilt als Risikofaktor für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht.
In Mausstudien führte dieselbe Dysbiose außerdem zu Fettleber, oxidativem Stress und Leberentzündung. Sobald die Darmflora wiederhergestellt wurde, ging der Leberschaden zurück. Das bestätigt die Rolle der Darmflora als Bindeglied zwischen fettreicher Ernährung und Organschäden. Für diesen Mechanismus gibt es bisher nur Mäusedaten.
Auch für Darmkrebs deuten Mausstudien auf einen Zusammenhang hin: Eine fettreiche Ernährung förderte das Tumorwachstum über Störungen der Darmflora, und dieses Wachstum nahm ab, sobald die Flora mit Antibiotika ausgeschaltet wurde. Ein weiterer Befund aus Mausstudien zeigt, dass die veränderte Darmflora mehr von der Aminosäure Leucin produziert. Bei Frauen mit Brustkrebs hing ein höherer Leucinspiegel mit mehr immunbremsenden Zellen zusammen, was auf schlechtere Verläufe hindeutete. Diese Befunde sind assoziativ und experimentell.
Die meisten Erkenntnisse stammen aus Tierversuchen und Beobachtungsstudien am Menschen. Große randomisierte Studien, die Ursache und Wirkung beim Menschen direkt belegen, gibt es nicht. Dysbiose, Leaky Gut und die Entzündungswege gelten auf Basis konsistenter Tier- und Assoziationsdaten dennoch als wahrscheinlich kausal. Am schwächsten belegt ist bislang der Krebs-Immunweg.