Was sind Mitochondrien, und kannst du sie jünger oder leistungsfähiger machen?
Regelmäßige Bewegung ist das mit Abstand am besten belegte Mittel, um Mitochondrien gesund zu halten; NAD+-Nahrungsergänzungsmittel klingen verlockend, sind beim Menschen aber noch unzureichend bewiesen.
Mitochondrien sind winzige Strukturen in fast jeder Körperzelle. Sie wandeln Nährstoffe in ATP um, den Treibstoff für nahezu alle Zellvorgänge: Muskelkontraktion, Zellteilung, Hirnfunktion. Ihre Aufgabe geht dabei über die reine Energieversorgung hinaus. Sie reagieren auf Stress, senden Signale an andere Gewebe und sind an Alterungsprozessen sowie Krankheiten beteiligt. Funktionieren sie schlecht, hat das Folgen für den gesamten Organismus.
Bewegung ist das wirksamste Mittel, um Mitochondrien zu verbessern. Sport aktiviert einen zellulären Schalter, der in Muskeln die Bildung neuer Mitochondrien ankurbelt und gleichzeitig beschädigte abbaut. Dieser Effekt ist beim Menschen nachgewiesen. Fasten und kurzfristiger Energiemangel wirken über einen ähnlichen Weg: Sie aktivieren ein Protein, das die Zelle zur Qualitätskontrolle ihrer Mitochondrien veranlasst.
NAD+ ist ein Molekül, das Mitochondrien für ihre einwandfreie Funktion benötigen. Mit zunehmendem Alter sinkt der NAD+-Spiegel in den Zellen, was mit nachlassender mitochondrialer Aktivität zusammenhängt. Nahrungsergänzungsmittel, die NAD+ erhöhen sollen, werden intensiv erforscht. Dazu gibt es bisher hauptsächlich Tier- und Zellstudien; ob sie beim Menschen tatsächlich zu mehr Energie oder verlangsamter Alterung führen, ist noch offen.
Erbliche Erkrankungen, bei denen die eigene DNA der Mitochondrien beschädigt ist, können zu schweren Krankheitsbildern führen. Sie sind klinisch sehr vielfältig und schwer zu behandeln, auch wenn vielversprechende Therapien in Entwicklung sind. Das unterscheidet sich grundlegend vom schrittweisen mitochondrialen Abbau, der zum normalen Altern gehört und auf den der Lebensstil durchaus Einfluss hat.
Zellen können Mitochondrien über kleine Verbindungskanäle austauschen. Dieses Phänomen wurde erst kürzlich entdeckt und wird vor allem in der Krebsforschung untersucht. Ob daraus Erkenntnisse für gesundes Altern folgen, bleibt abzuwarten.
Aussagen zur Grundfunktion und zu erblichen Erkrankungen sind gut belegt. Die Auswirkungen von Bewegung auf die mitochondriale Qualität sind beim Menschen nachgewiesen; die genauen Mechanismen stammen jedoch überwiegend aus Tier- und Zellstudien. Die Rolle von NAD+-Nahrungsergänzungsmitteln beim Menschen ist in den verfügbaren Studien noch nicht überzeugend belegt. Mitochondrialer Transfer zwischen Zellen ist ein frühes Forschungsfeld.