Was ist die VO2max – und wie wichtig ist sie für ein langes Leben?
Eine höhere VO2max geht deutlich mit einer längeren Lebensdauer einher. Regelmäßige Bewegung lohnt sich für jeden – auch ohne Trainingshistorie: Schon bescheidene Aktivität senkt das Risiko, frühzeitig zu sterben.
Die VO2max beschreibt, wie viel Sauerstoff dein Körper pro Minute unter maximaler Belastung aufnehmen und verwerten kann – angegeben pro Kilogramm Körpergewicht. Sie gilt als Goldstandard für die Herz-Lungen-Fitness: Je besser Herz, Lunge und Muskulatur zusammenspielen, desto höher der Wert. Im Alltag wird oft auch die Einheit MET verwendet, ein einfacheres Maß für die körperliche Leistungsfähigkeit.
Der Zusammenhang mit einem längeren Leben gehört zu den robustesten Befunden der Gesundheitswissenschaften. Eine Metaanalyse aus 33 Studien mit mehr als 100.000 Teilnehmern zeigt: Jede Fitnessklasse höher (1 MET) senkt das Sterberisiko im Schnitt um 13 %. Menschen mit schlechter Ausdauer haben ein 70 % höheres Risiko, frühzeitig zu sterben, als gut trainierte Menschen. Dieser Effekt ist größer als der vieler bekannter Risikofaktoren.
Die Kopenhagen Male Study begleitete Männer über 46 Jahre. Wer im mittleren Alter eine hohe VO2max hatte, lebte im Schnitt 4,9 Jahre länger als die Gruppe mit der niedrigsten Fitness. Jede Einheit Verbesserung ging mit 45 zusätzlichen Lebenstagen einher. Zudem starben gut trainierte Männer seltener an Krebs – selbst nach Berücksichtigung der umgekehrten Kausalität.
Eine Studie relativiert dieses Bild allerdings. Mithilfe genetischer Varianten, um Kausalität zu prüfen, ließ sich kein Nachweis finden, dass die VO2max selbst die Lebensdauer verlängert. Sie spiegelt wahrscheinlich tiefer liegende Faktoren wider: Körperfettanteil, Muskelmasse und Bewegungsverhalten. Genetisch bedingtes höheres Körperfett senkt die VO2max nachweislich kausal. Körperfett und Diabetes hingegen waren in derselben Untersuchung unabhängig kausal mit einer kürzeren Lebensdauer verknüpft.
Die gute Nachricht: Du musst kein Leistungssportler sein, um zu profitieren. Schon leichte Bewegung, angepasst an das, was sich für dich persönlich anstrengend anfühlt, senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und frühen Tod spürbar. Das zeigt eine Untersuchung bei Frauen mit einem Durchschnittsalter von 78,5 Jahren. Selbst wer bislang kaum trainiert hat, profitiert bereits von moderatem Aufwand.
Grundlage sind eine Metaanalyse (33 Studien, mehr als 100.000 Teilnehmer), die Kopenhagen Male Study (46 Jahre Follow-up), eine Studie mit genetischen Varianten, die keinen kausalen Effekt der VO2max auf die Lebensdauer nachweisen konnte, sowie eine Beobachtungsstudie bei älteren Frauen. Alle Zusammenhänge sind observationeller Natur – mit Ausnahme des genetischen Befunds, der gerade keinen kausalen Effekt belegt.