Wie viel Fisch ist gesund, und ist Zuchtfisch genauso gut wie Wildfisch?
Drei bis vier Portionen Fisch pro Woche sind für die meisten Menschen gesund. Ob Zuchtfisch und Wildfisch ernährungsphysiologisch gleichwertig sind, lässt sich aus den vorliegenden Studien nicht ableiten.
Ernährungsforscher empfehlen drei bis vier Portionen Fisch pro Woche, abwechselnd magere und fette Sorten. Fisch liefert Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin A und D, Selen, Jod und Kalzium. Eine Übersichtsarbeit mit 106 Studien aus Europa, Asien, Nordamerika und Afrika zeigt, dass vielfältiger Fischkonsum für die meisten Menschen mehr Nutzen als Risiken bringt1. Trotzdem erreichen mehr als 30 % der Spanier diese Empfehlung nicht, und der Konsum sank in den vergangenen fünfzehn Jahren um über 30 %. Hohe Preise, Gräten und mangelnde Kochkenntnisse spielen dabei eine Rolle2,3.
Für das Herz sind die Vorteile fetter Fischsorten am deutlichsten belegt. Eine Auswertung von vierzehn Studien mit 1378 Teilnehmern ergab, dass regelmäßiger Verzehr von Hering, Makrele oder Lachs die Blutfette im Schnitt um 0,11 mmol/L senkte und das HDL-Cholesterin um 0,06 mmol/L anhob. Auf das LDL-Cholesterin zeigte sich kein Effekt. Die Veränderungen sind bescheiden, betreffen aber anerkannte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen4.
Während der Schwangerschaft ist Fischkonsum besonders wertvoll für die Hirnentwicklung des Kindes. Bevölkerungsstudien liefern starke Hinweise, dass Kinder von Müttern, die Fisch gegessen haben, bessere neurologische Entwicklungsverläufe zeigen; verantwortlich sind offenbar die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA5. Schwangere, Stillende und Kleinkinder sollten Schwertfisch, Blauflossenthunfisch, Hai und Hecht vollständig meiden. Diese Arten enthalten so viel Methylquecksilber, dass sie das sich entwickelnde Nervensystem schädigen können.
Methylquecksilber ist auch für andere Personengruppen das größte Risiko beim Fischessen. Es reichert sich in Raubfischen oben in der Nahrungskette an, und Fisch ist die wichtigste Quelle dieser Verbindung in unserer Ernährung. Wer abwechslungsreich isst und die genannten Risikoarten meidet, bleibt weit unterhalb gefährlicher Aufnahmemengen. Rund um die Großen Seen in den USA überschritten schätzungsweise fünf Millionen Fischesser den sicheren Konsumgrenzwert; ethnische Minderheiten waren überproportional betroffen und wurden seltener über die geltenden Empfehlungen informiert6,7.
Einen direkten Vergleich von Zuchtfisch und Wildfisch liefern die vorliegenden Studien nicht. Wildfisch ist dabei nicht automatisch die sicherere Wahl: Fisch aus belasteten Flüssen kann erhöhte Mengen an PCB, Dioxinen und PFAS enthalten. Untersuchungen an Wildfischen aus dem Penobscot River in den USA ergaben Werte, die für Menschen, die davon regelmäßig größere Mengen essen, ein potenzielles Gesundheitsrisiko darstellen. Welche Variante das bessere Nährstoffprofil hat, lässt sich auf Basis der derzeitigen Quellenlage nicht beantworten.
Grundlage sind eine Übersichtsarbeit mit 106 Nutzen-Risiko-Analysen (PMID 33951954), eine Metaanalyse aus vierzehn Studien mit 1378 Teilnehmern (PMID 28992469), ein Bevölkerungsreview zur Schwangerschaft (PMID 25517058), zwei Studien zu Schadstoffen und Sicherheitsgrenzwerten (PMID 38102302, 35218843) sowie zwei ernährungs- und versorgungspolitische Übersichtsarbeiten (PMID 40728503, 20644695). Ein direkter Vergleich des Nährstoffprofils von Zuchtfisch und Wildfisch fehlt in den ausgewerteten Quellen.