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Altern manche Menschen vor allem über ihr Herz – und andere über ihren Stoffwechsel?

Ja, Menschen altern über unterschiedliche Organsysteme. Die Wissenschaft, das für jeden Einzelnen präzise zu erfassen, ist vielversprechend, steckt aber noch in den Anfängen.

Altern verläuft bei jedem Menschen anders. Gene, Lebensstil, Umwelt und psychologische Faktoren bestimmen gemeinsam, ob du eher Herzprobleme entwickelst oder ob bei dir Stoffwechsel- oder Nierenprobleme im Vordergrund stehen. Das ist kein Sonderfall, sondern ein grundlegendes Merkmal des Alterungsprozesses1.

Blutanalysen, bei denen Hunderte von Molekülen gleichzeitig gemessen werden, zeigen, dass jeder Mensch ein individuelles Stoffwechselprofil hat. Bei Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung waren 23 Blutmarker generell mit Herzproblemen verknüpft – doch welche Art von Herzproblem tatsächlich auftritt, unterschied sich von Person zu Person. Bestimmte Fette in Zellmembranen sagten gezielt Herzversagen voraus, nicht aber einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Menschen entwickeln Herzprobleme also über ganz unterschiedliche Wege2.

Auch im Herzen selbst spielt individuelle Variabilität eine Rolle. Immunzellen sind an der Narbenbildung im Herzmuskelgewebe im höheren Alter beteiligt, und wie sie sich dabei verhalten, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch3. Auf Zellebene sind die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, sowohl an der Herz- als auch an der Stoffwechselalterung beteiligt4.

Klinische Studien bestätigen dieses Bild. SGLT2-Hemmer, eine Klasse von Diabetesmedikamenten, senken das Risiko einer Krankenhauseinweisung wegen Herzversagens um 23 % und verlangsamen das Fortschreiten einer Nierenerkrankung um 45 %. Der Schutz vor einem Herzinfarkt zeigte sich dagegen nur bei Menschen, die bereits eine Arterienverkalkung hatten. Dieselbe Pille bringt je nach Person also deutlich unterschiedlich viel5.

GLP-1-Medikamente wie Semaglutid zeigen etwas Ähnliches. Wer damit Gewicht verliert, verliert auch Muskelmasse: Je nach Person und Präparat entfallen 15 % bis 60 % des gesamten Gewichtsverlusts auf Muskulatur. Bei jüngeren Menschen ist das weitgehend unbedenklich; bei gebrechlichen älteren Menschen stellt ein zu starker Muskelschwund ein reales Risiko dar6. Anhand von Blutwerten kann ein Arzt eine gewisse Richtung vorgeben. Eine Therapie, die auf molekularer Ebene wirklich auf den Einzelnen zugeschnitten ist, gehört bisher jedoch nicht zum klinischen Alltag1.

Die Belege
6 Studien · 1 Meta-Analyse

Quellen: ein konzeptuell-theoretischer Übersichtsartikel (PMID 40250404), eine Stoffwechselstudie an Patienten mit koronarer Herzerkrankung (PMID 38977723), ein Übersichtsartikel zu Immunzellen im Herzen (PMID 38816371), eine große kardiovaskuläre Studie zu SGLT2-Hemmern mit Tausenden von Teilnehmern (PMID 30424892), ein Übersichtsartikel zu GLP-1-Medikamenten und Muskelmasse (PMID 38937282) sowie eine mechanistische Studie zu Mitochondrien in Zellen (PMID 28711444).

Zuletzt geprüft: September 2026 · wie das beurteilt wurde
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