Halten Fischöl-Kapseln mein Gedächtnis fit?
Fischöl kann einen bescheidenen Beitrag zu Aufmerksamkeit und Gedächtnis leisten, aber die Evidenz reicht noch nicht aus, um eine Kapsel einer abwechslungsreichen, fischreichen Ernährung vorzuziehen.
Fischöl hat in der bislang umfassendsten Auswertung von 58 randomisierten Studien bei 2000 mg täglich bescheidene, aber messbare Vorteile für Aufmerksamkeit, Sprachvermögen, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Kurzzeitgedächtnis gezeigt. Die Studienqualität schwankt allerdings zwischen niedrig und mäßig, und gut konzipierte Langzeitstudien fehlen.
Beim Erinnern konkreter Ereignisse, also etwa was du gestern gemacht hast, ist das Bild komplizierter. Mehr Fischöl bedeutet nicht automatisch einen besseren Effekt: Die Wirkung nimmt bei höheren Dosierungen zunächst ab und steigt danach wieder an. Was das praktisch bedeutet, bleibt unklar.
Wer sein Gedächtnis im Alter schützen möchte, stößt in der Forschung auf einen bemerkenswerten Befund. Eine mediterrane Ernährung scheint mehr zu bewirken als Fischöl als einzelne Pille. Eine schlechte Ernährung erwies sich sogar als starker Risikofaktor für Demenz. Nahrungsergänzungsmittel gleichen das nicht aus.
Zwei randomisierte kontrollierte Studien bei älteren Erwachsenen zeigten Verbesserungen im Arbeitsgedächtnis. In beiden Fällen handelte es sich jedoch um Kombipräparate, also Fischöl zusammen mit Carotinoiden, Vitamin E, Ginkgo oder B-Vitaminen. Wie viel Fischöl allein dazu beigetragen hat, lässt sich daraus nicht herausrechnen. Hinzu kommt, dass mehrere Forschende einer dieser Studien finanzielle Verbindungen zu Nahrungsergänzungsmittelherstellern hatten, was die Befunde zusätzlich kritisch einzuordnen lässt.
Bei Menschen mit bestehender Demenz gibt es zu wenig Belege dafür, dass Fischöl etwas bewirkt. In Tierversuchen zu Alzheimer sind die Ergebnisse für DHA, den Wirkstoff im Fischöl, positiv, doch dazu gibt es bisher nur Tierdaten, und die Studien am Menschen widersprechen sich zu stark für belastbare Schlüsse.
Alle Aussagen basieren auf den zugrunde liegenden Abstracts (PMID: 40836005, 31684843, 20413879, 34999335, 39317299, 24992464, 23870856). Die Metaanalyse (PMID 40836005) ist die stärkste Quelle; die übrigen Studien sind randomisierte kontrollierte Studien, systematische Reviews und Tierversuche.