Ist Kolostrum (Biestmilch) ein sinnvolles Nahrungsergänzungsmittel?
Kolostrum zeigt derzeit die stärksten Hinweise als Unterstützung gegen Atemwegsinfektionen bei Sportlerinnen und Sportlern; für die meisten anderen Anwendungsgebiete ist die Evidenz zu dünn oder zu widersprüchlich, um eine Empfehlung auszusprechen.
Kolostrum, auch Biestmilch genannt, ist die erste Milch, die eine Kuh nach der Geburt produziert. Sie enthält viele Antikörper, Wachstumsfaktoren und andere Schutzstoffe. Die entscheidende Frage ist, ob diese Stoffe nach dem Schlucken im menschlichen Körper überhaupt wirksam werden.
Den konkretesten Nutzen zeigt die Forschung bei Atemwegsinfektionen von Sportlerinnen und Sportlern. Mehrere Studien beobachteten, dass Sportler, die Kolostrum einnahmen, seltener Erkältungen oder Beschwerden der oberen Atemwege bekamen. Die hohe Antikörperkonzentration im Kolostrum gilt als mögliche Erklärung. Die Studien unterscheiden sich allerdings erheblich im Aufbau, sodass ein direkter Vergleich schwierig bleibt.
Für den Darm ist das Bild gemischt. Kolostrum könnte die Durchlässigkeit der Darmwand verringern, ein Phänomen, das manchmal als 'Leaky Gut' bezeichnet wird. Bei Kindern mit Durchfall gibt es Hinweise auf eine kürzere Beschwerdedauer. Die Studienqualität ist häufig niedrig, und die Ergebnisse lassen sich nicht zuverlässig wiederholen. Bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa liegen bisher nur Labor- und Tierdaten vor; zudem sind mögliche Gegenanzeigen beschrieben.
Für klassische Themen rund ums gesunde Altern wie Muskelkraft, Knochendichte und Blutzucker bei Menschen ab 35 Jahren ist die Datenlage noch dünner. Ein systematischer Review fand kaum relevante Studien speziell zu Kolostrum, und die wenigen vorhandenen Ergebnisse widersprechen sich.
Kolostrum als Ergänzung zur normalen Ernährung einzunehmen ist voraussichtlich unbedenklich. Säuglinge ausschließlich mit Kuhbiestmilch statt Muttermilch zu ernähren wird hingegen ausdrücklich abgeraten, da die Nährstoffzusammensetzung für Babys nicht geeignet ist.
Alle Aussagen basieren auf systematischen Reviews und Metaanalysen (PMID 40150801, 34444709, 24571383, 34202206, 31256539, 31979025, 33070186). Bei einer Studie waren möglicherweise kommerzielle Interessen vorhanden (nicht studienbezogen spezifiziert). Keine einzige Aussage erreicht das Niveau mehrerer konsistenter, großer RCTs.