Schwächt langfristige Kortisoneinnahme deine Knochen?
Langfristige Kortisoneinnahme schwächt deine Knochen nachweislich. Wenn du das Medikament über einen längeren Zeitraum nimmst, ist es sinnvoll, mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu besprechen, ob Bisphosphonate als vorbeugender Knochenschutz für dich infrage kommen.
Ja, langfristige Kortisoneinnahme schwächt deine Knochen nachweislich. Bei dauerhafter Einnahme tragen bis zu 50 % der Betroffenen ein erhöhtes Risiko für Wirbelbrüche. Das Kortison wirkt dabei auf zwei Wegen: Knochenneubildende Zellen werden gehemmt, während knochenabbauende Zellen gleichzeitig aktiver werden. Diese Wechselwirkung gilt seit Jahrzehnten als eine der schwerwiegendsten Nebenwirkungen einer Langzeittherapie mit Kortikosteroiden.
Kortison bringt außerdem den Kalziumhaushalt durcheinander. Der Darm nimmt weniger Kalzium aus der Nahrung auf, während die Nieren vermehrt Kalzium über den Urin ausscheiden. Als Reaktion darauf schüttet der Körper mehr Parathormon aus, und genau dieses Hormon treibt den Knochenabbau noch weiter voran.
Das Risiko ist nicht für alle gleich hoch. Besonders gefährdet sind Menschen, die insgesamt mehr als 10 Gramm Kortison eingenommen haben, älter als 50 Jahre sind oder bereits vor der Behandlung eine niedrige Knochendichte hatten. Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und eine geringe Produktion von Sexualhormonen erhöhen das Risiko zusätzlich. Auffällig: Beim kortisonedingt verursachten Knochenverlust treten Brüche vor allem in der Wirbelsäule und den Rippen auf, seltener in der Hüfte. Das unterscheidet dieses Krankheitsbild von anderen Formen der Osteoporose.
Es gibt Wirkstoffe, die dem Knochenverlust entgegenwirken können. Bisphosphonate sind sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung am besten belegt. Kalzitonin als Nasenspray und aktives Vitamin D können die Knochendichte in der Wirbelsäule verbessern, allerdings ist die Evidenz dafür schwächer. Kalzium und Vitamin D allein reichen nicht aus. Sie wirken am besten als Ergänzung zu anderen Maßnahmen.
Ein wichtiger Vorbehalt: Obwohl Bisphosphonate und andere Mittel die Knochendichte messbar verbessern, konnte bislang in Studien nicht belegt werden, dass sie bei Menschen mit langfristiger Kortisontherapie auch die Zahl tatsächlicher Knochenbrüche senken. Ob eine höhere Knochendichte in diesem spezifischen Fall wirklich weniger Frakturen bedeutet, ist also noch nicht bewiesen.
Alle Quellen sind Reviews; in den vorliegenden Unterlagen befinden sich keine randomisierten Studien oder Metaanalysen. Die Kausalität des kortikosteroidbedingten Knochenverlusts ist jedoch auf Grundlage mehrerer unabhängiger Reviews breit anerkannt.