Senkt Metformin dein Risiko für Krebs oder Demenz?
Bei Menschen mit Diabetes gibt es Hinweise darauf, dass Metformin das allgemeine Krebsrisiko senkt, doch je nach Krebsart ist die Evidenz unterschiedlich stark oder schlicht nicht vorhanden. Zu Demenz sind auf Grundlage der verfügbaren Studien keinerlei Schlussfolgerungen möglich.
Metformin ist seit Jahrzehnten das meistverordnete Medikament bei Typ-2-Diabetes. Beobachtungsstudien an Diabetespatienten zeigen, dass Anwender seltener an Krebs erkranken und seltener daran sterben als Nicht-Anwender. Dieses Muster ist faszinierend, aber wie das Medikament das bewirkt, ist unklar. Hinzu kommt: Diese Beobachtungsstudien sind anfällig für Verzerrungen, denn Menschen, die Metformin einnehmen, unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von denen, die es nicht tun.
Je nach Krebsart fällt das Bild unterschiedlich aus. Bei Brustkrebs ist die Datenlage widersprüchlich: Einige Studien sahen ein niedrigeres Risiko, doch eine Zusammenfassung von 15 Studien fand keinen statistisch nachweisbaren Unterschied bei Frauen mit Typ-2-Diabetes. Der Risikowert lag bei etwa 0,82, aber der Streubereich reichte von 0,60 bis 1,12, sodass ein Nulleffekt nicht ausgeschlossen werden kann. Bei Prostatakrebs ist das Bild noch klarer: Eine Auswertung von mehr als 52.000 Fällen zeigte keinerlei Zusammenhang. Bei Lungenkrebs reicht die Datenbasis für eine belastbare Schlussfolgerung nicht aus.
Zu Demenz lässt sich auf Grundlage der verfügbaren Studien schlicht nichts sagen. Es wurden keine Studien vorgelegt, die diesen Zusammenhang untersucht haben. Wer Metformin als Schutz vor Demenz darstellt, geht damit über das hinaus, was die Forschung bisher zeigt.
Metformin ist sicher, wird gut vertragen und ist ausgesprochen kostengünstig. Das macht es zu einem interessanten Kandidaten für Anwendungen jenseits von Diabetes, aber ein nachgewiesener Nutzen bei gesunden Menschen oder als vorbeugendes Mittel gegen Krebs fehlt bisher. Wer keine Diabetes hat und Metformin zur Lebensverlängerung oder Krebsvorbeugung in Betracht zieht, handelt ohne ausreichende Grundlage. Sprich das zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt durch.
Alle Aussagen basieren auf Beobachtungsstudien (epidemiologischer Forschung) und Metaanalysen von Kohortenstudien. Es wurden keine randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) vorgelegt, die Krebsprävention bei Nicht-Diabetikern belegen. Zu Demenz liegen in diesem Quelldossier keine Studien vor.