Steigert Bor deinen Testosteronspiegel?
Die beiden randomisierten Studien bei Männern zeigen keinen Effekt auf Testosteron. Die einzige kleine Studie, die bei Männern einen Anstieg fand, hatte keine Placebogruppe und nur acht Teilnehmer. Wer seinen Testosteronspiegel verbessern möchte, findet für Bor aktuell keine verlässliche Grundlage.
Zwei randomisierte kontrollierte Studien mit männlichen Bodybuildern (zusammen 19 Teilnehmer) zeigten, dass 2,5 mg Bor pro Tag über sieben Wochen nichts an Testosteron, Muskelmasse oder Kraft veränderte – verglichen mit Placebo. Beide Gruppen verbesserten sich, aber das lag am Training selbst, nicht am Bor.
Die einzige Studie, die bei Männern einen signifikanten Anstieg des freien Testosterons berichtete, verwendete 10 mg pro Tag bei gerade einmal acht Männern und ohne Placebogruppe. Nach einer Woche sank das Transportprotein, das Testosteron im Blut bindet und dadurch inaktiviert, deutlich – wodurch mehr aktives Testosteron zirkulierte. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich dieses Ergebnis kaum einordnen: Es könnte reiner Zufall sein.
Bei Frauen ist das Bild genauso gespalten. Eine frühe Studie mit Frauen nach der Menopause beobachtete einen merklichen Testosteronanstieg, nachdem sie von einer sehr borarmen Ernährung auf 3 mg Bor pro Tag umstellten. Eine Folgestudie mit ähnlichem Aufbau fand bei denselben Hormonen jedoch gar nichts. Die Forschenden vermuteten, dass eine zu strenge Ausgangsdiät die Ergebnisse verfälschte – die Widersprüche löst das nicht auf.
Bei höheren Dosen (10 mg/Tag) bei gesunden Männern stieg Östradiol klar an, während Testosteron nur einen nicht signifikanten Aufwärtstrend zeigte. Am Ende stehen widersprüchliche Ergebnisse, kleine Gruppen und fehlende Placebokontrollen. Als Testosteron-Booster hat Bor keine solide Grundlage.
Quellen: zwei RCTs mit männlichen Sportlern (PMID 7889885, 8508192), eine kleine klinische Studie ohne Kontrollgruppe bei Männern (PMID 21129941), zwei Studien bei postmenopausalen Frauen mit gegensätzlichen Ergebnissen (PMID 3678698, 8329361), eine klinische Studie mit höherer Dosis (PMID 9197924) sowie ein Review (PMID 10376277).