Stimmt es, dass fettarme Ernährung vor Brustkrebs schützt?
Schlicht weniger Fett zu essen schützt wahrscheinlich nicht nachweisbar vor Brustkrebs. Wer sein Risiko senken möchte, fährt mit einem gesunden Körpergewicht, ausreichend Bewegung und einer abwechslungsreichen, pflanzenbetonten Ernährung besser.
Tierversuche und internationale Migrationsstudien nährten lange den Verdacht, dass eine fettreiche westliche Ernährung Brustkrebs begünstigt. Wer aus einem Land mit traditionell geringem Fettkonsum in ein westliches Land zieht, erkrankt mit der Zeit häufiger daran. Das deutet aber auf einen umfassenden Lebensstil- und Umgebungswandel hin, nicht auf Fett als isolierten Faktor.
Als Forschende in Beobachtungsstudien dann direkt untersuchten, ob weniger Fett das Risiko senkt, fanden sie kaum etwas. Den Fettanteil auf rund 20 % der täglichen Kalorienzufuhr zu reduzieren führt laut den vorliegenden Reviews in westlichen Ländern nicht zu einem messbaren Rückgang des Brustkrebsrisikos. Hinzu kommt ein Messproblem: Menschen unterschätzen in Fragebögen systematisch, wie viel Fett sie essen. Das kann einen möglichen Zusammenhang verschleiern, belegt ihn aber nicht.
Die Art des Fetts dürfte mehr zählen als die Gesamtmenge. Tierversuche liefern dabei widersprüchliche Ergebnisse: Pflanzliche mehrfach ungesättigte Fette förderten das Tumorwachstum, während Fischöl und gesättigte Fette kaum Wirkung oder sogar eine Hemmung zeigten. Für Olivenöl und andere einfach ungesättigte Fette gibt es vorläufige, schwache Hinweise auf eine leichte Risikosenkung, die die Forschenden selbst als lediglich hinweisgebend einordnen. Dazu gibt es bisher nur Tierdaten, die sich nicht direkt auf den Menschen übertragen lassen.
Deutlich solider ist die Datenlage für Übergewicht und Bewegungsmangel. Mehrere Reviews verknüpfen Adipositas und Gewichtszunahme mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko nach den Wechseljahren sowie mit schlechteren Überlebenschancen. Wer im Erwachsenenalter stabil im Gewicht bleibt, scheint davon stärker zu profitieren als von reiner Fettreduktion. Auch ein Ernährungsmuster mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn sowie wenig rotem und verarbeitetem Fleisch gilt als vielversprechender für die Krebsvorbeugung.
Alle Quellen sind Reviews oder nicht näher indexierte Publikationen. Randomisierte Studien oder Metaanalysen sind in der vorliegenden Zusammenstellung nicht enthalten. Die Evidenzbasis ist damit rein beobachtend und reviewbasiert.